• Der Himmel war ungetrübt und von klarem blau als sich die Galeere langsam durch das westliche Meer schob unter unaufhaltsamen Ruderschlägen langsam und stetig ihrem Ziel entgegen. Zur Verwirrung des Kapitäns hatte der einzige Gast auf dieser Reise darauf bestanden selber an einem der Ruder zu sitzen mit der Begründung er könne die Übung in nächster Zeit vermutlich gebrauchen. Jetzt saß er barhäubtig und mit freiem Oberkörper in der kalten Meeresluft auf einer Ruderbank und führte zusammen mit den anderen Rudern kräftige Schläge aus.


    Diese Wilden waren schwer zu verstehen für zivilisierte Menschen. Der Kapitän, ein gottesfürchtiger Mann, scheute sich dieses unwirtliche Stück Land anzufahren das sie ihre Heimat nannten. Er hatte das instinktive Gefühl dort nicht willkommen zu sein. Aber der wöchentliche Transport musste gemacht werden. Fünfhundert Stein an Getreide und getrockneten Früchten, Siebenhundert Rechtschritt Feuerholz, Öl, Salz, alle Arten von Gewürzen, offenbar mochte man dort pikantes Essen. Alles verteilt auf vier Frachtgaleeren jede Woche, seit Jahren ging das so. Alles im Tausch gegen feinste Pelze, schwarzes Eisen, glasklare Saphire von erlesener Qualität und poliertes Horn von einer Größe das der Kapitän sich schwertat sich die Tiere vorzustellen von denen solche Brocken wohl kommen mochten.


    Am morgen des siebten Tages erschien am Horizont das vertraute Pulsieren der Irrlichter die den Himmel über dem Eisland erleuchteten. Weiß wie frischer Schnee leuchteten die unwirtlichen Grate der scharfen Klippen in der Sonne. Der Reisegast stand an der Reling und schaute stumm in das weiße Leuchten. Einen Tag später war aus dem glitzernden Schemen ein Himmelsfüllender Riese geworden, dreihundert Schritt hohe Klippen füllten den Horizont von einem Ende zum anderen und schienen die Versuche der Seeleute zu verspotten an diesem Ort anlanden zu wollen. Bitterkalt war es geworden, die Gischt gefror auf Tauwerk und Segeln und drei Mann mit dicken Holzhämmern waren den ganzen Tag damit beschäftigt das Eis abzuschlagen damit das Schiff fahrtüchtig blieb.


    Der verdammte Wilde hatte inzwischen wenigstens ein Hemd angezogen.


    Gegen Mittag erreichten sie eine kleine Insel die sich nur dadurch von den Eisschollen drumherum unterschied das sie nicht zu schwanken schien. Auf dieser wartete schon der Unvermeidliche, Baris der Lotse. Noch nie hatte der Kapitän einen Menschen getroffen der so penetrant nach ranzigem Fett roch wie dieser Einheimische. Der schien in Robbenfett geradezu gebadet zu haben. Vor drei Jahren. Und seitdem nicht für nötig befunden zu haben sich mal zu waschen. Leider war seine Hilfe unerlässlich, die Eisklippen die rund um die Zufahrt zum Höhlenhafen aus dem Wasser ragten veränderten sich ständig und nur er kannte den jeweiligen freien Zugang. Die nötige Flasche schärfsten Alkohols die nötig war um ihn zu motivieren lag schon bereit, der Kapitän war froh sie loszuwerden, trinken konnte man das Zeug sowieso nicht.


    Dieses mal wurden der Kapitän und seine Flasche allerdings vorerst ignoriert, Baris ging nach einem Sprung aufs Deck direkt zum einzigen Reisegast und reichte ihm den Arm zum Kriegergruß. Die beiden unterhielten sich kurz leise was völlig unnötig war, keiner an Deck verstand auch nur ein Wort dieser fremden Zunge.


    Anschhließend wurde der Kapitän um seine Flasche und eine gute dicke neue Wolldecke erleichtert und Baris wies Ihm sorgfältig den Weg durch eisige Untiefen, vorbei an frostigen Klingen gerade unter der Wasseroberfläche die sein Schiff aufgeschlitzt hätten wie einen Fisch. Nach gut anderthalb Stunden anstrengender Manövrierarbeit fuhren sie endlich in das tiefblaue Wasser des Höhlenhafens ein, der scharfe Wind hörte sofort auf als sie die riesige Höhle erreichten, die groß genug war um eine kleine Flotte von Schiffen auf einmal zu beherbergen. Primitive Kaianlagen waren aus dem blanken Eis gehämmert und glatte Stege aus schimmerndem Weiß führten zu steilen Treppen die in der Höhlenwand nach oben liefen.


    Die Galeeren wurden vertäut so gut sich das mit halb gefrorenen Seilen eben bewerkstelligen ließ dann begann eilig das Ausladen der Waren. Dies war der einzige Hafen in dem er seine Männer nicht antreiben musste ihre Arbeit zu tun, jeder normale Mensch war froh diese eisigen Stille und Fremdheit wieder den Rücken kehren zu können. Der Reisegast verabschiedete sich kurz mit Handschlag von Kapitän und Mannschaft und erklomm eilig die steilen Treppen um in einem Durchgang zu verschhwinden.


    Kopfschüttelnd widmete der Kapitän sich wieder seiner Berufung. Wer verstand schon was diese Wilden antrieb.

    Bruder Fulcrum Alarich Gletscherherz
    Jagdrudelführer des Jagdrudels Hewlânosh




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    "Caprum non iam habeo"

  • Er war lange nicht hier gewesen.


    Vielleicht zu lange? Ungewohnte Gefühle regten sich im Reisenden, Vorfreude auf seine angestammte Heimat, aber auch eine unbestimmte Furcht. Was wenn er zu lange auf fremden Pfaden gewandelt war? Was wenn das Land des Bären ihn ablehnen würde wie eine Mutter Ihr Junges das einen falschen Geruch angenommen hatte? War er noch ein Jäger vor Ursuns Augen? Hatte er noch den Pfad des Bären im Herzen? Es war Zeit das heraus zu finden.


    Am Ende der Treppe zu den Aufgängen wand sich ein langer Höhlengang durchs leicht bläulich schimmernde Eis. Die Luft...Bei Hewla, was hatte er diese Luft vermisst! Kalt und klar und schneidend, kein Staub, keine Gräser, nichts von all dem Dreck der einem in den Warmlanden permanent die Lungen verstopfte. Tief atmete er ein...und wurde mit einem heftigen Hustenanfall belohnt der ihn fast auf die Knie warf. Nun, das war vielleicht etwas viel des Guten gewesen, er würde etwas Zeit brauchen um sich wieder an die Haut des Jägers zu gewöhnen. Ein bisschen enttäuschte ihn diese Erkenntnis, das Selbstverständnis eines Eisjägers sah nicht vor das man plötzlich an Dingen scheiterte die so viele Jahre völlig natürlich gewesen waren.


    Er musste dieses Zeug loswerden. Die Kleidung der Warmländer belastete ihn plötzlich, zwängte ihn ein wie ein Gefängnis, Belastete ihn wie ein Sack Steine. Da! Der Wechselraum, endlich.


    Eine Höhle zu linken öffnete sich, etwa zwanzig Schritt im Geviert, vier oder fünf Schritt hoch. Keine Schnörkel, keine Verzierungen, einfach ein großer grob ovaler Raum.

    Zwei Dutzend leicht gelblich schimmernder großer Truhen war hier zu sehen, jede aus den dicken Knochen eines Wals geschnitzt und gefügt. Kein Holz, Holz war hier viel zu wertvoll um zu Möbeln verarbeitet zu werden!

    Er öffnete eine der Truhen auf der linken Seite des Raumes und fand Kleidung darin vor. In den Sieben folgenden Truhen ebenso, erst die Neunte war endlich leer. Interessant, es hielten sich derzeit also neun Warmländer in Frosttal auf, soviel Los war hier nicht oft, hatte er irgendwas nicht mitbekommen? Er würde fragen müssen was die Warischkis alle hier wollten.


    Langsam und konzentriert legte er Seine Kleidung ab und deponierte Sie in der Truhe, ebenso allen Schmuck aus Metall und die meisten Waffen die er bei sich trug, sie wären diesem Land nicht gewachsen. Nur was aus Knochen oder aus schwarzem Eisen gemacht war behielt er bei sich. Nackt und fröstelnd genoss er das Gefühl von Freiheit...und ärgerte sich das er fröstelte! Das hier war eine Höhle mit meterdicken Wänden und kein Luftzug ging umher und trotzdem spürte er schon die Kälte! Es wurde wirklich dringend Zeit das er wieder hier war, er versprach sich das nächste mal nicht so lange damit zu warten. Dann viel ihm wieder ein warum er gewartet hatte, der letzte Abschied war..schwierig gewesen.


    Die Truhen auf der anderen Seite des Raumes versprachen Wärme. Er trat auch hier gleich zur neunten Truhe, denn die anderen acht würden leer sein. In der Truhe fand sich ein großer Haufen weißen Robbenpelzes. Er nahm erstmal alles heraus, legte die einzelnen Kleidungstsücke auseinander und prüfte sorgfältig Größe und Verarbeitung. Dies war Gästekleidung, seine Eigene lag fern in seiner Höhle auf der anderen Seite des Landes. Das ganze war etwas knapp aber es würde wohl gehen. Am Boden der Truhe fand sich ein verschlossenes Gefäß aus Knochen das er öffnete. Robbenfett. Das hatte er weniger vermisst als die anderen Dinge hier. Seufzend begann er sich gründlich mit dem Fett einzureiben, es würde schnell einziehen und die erste Wärmeschicht bilden. Es war wichtig das er keine Stelle vergaß, vor allem nicht an den Stellen die der Sonne ausgesetzt sein würden.


    Nach dem Robbenfett folgten die "kleinen" Hosen aus dünnem Jungrobbenfell mit einer Fütterung aus geflachsten Höhlenflechten und ein paar dicke Strümpfe aus demselben Material. Als nächstes ein langes Unterhemd aus feinem weichgekautem Leder das an den Handgelenken eng verschlossen wurde damit dort keine Lücke entstand. Darüber die schweren Pelzhosen mit den ledernen Hosenträgern die er über die Schultern streifte. Ein paar gefingerte Lederunterhandschuhe die ebenfalls sorgfältig befestigt wurden um mit dem Lederhemd eine überlappende Schicht zu bilden. Als nächstes hüpfte er ein paar Minuten zornig durch die Höhle um in den etwas zu engen Robbenfellparrkqua zu kommen, das große Oberkleidungsstück mit der massigen Kaputze. Fast fertig. Er legte die großen Pelzfäustlinge an und starrte dann irritiert auf die dicken Fellstiefel. Schnaubend zog er die Fäustlinge wieder aus, mit denen konnte er die Stiefel nicht zuschnüren, er machte Fehler wie ein Jungjäger, gut das das hier keiner von seinem Jagdrudel mitbekommen hatte..Rollo Hätte eine ganze Woche gelacht. Er befestigte das Jagdmesser aus schwarzem Eisen am Parrkqua und schob zwei spitze Knochenmesser in die Schubtaschen der Pelzstiefel. An der Wand der Höhle hingen eine Reihe knöcherner Masken mit schmalen Seeschlitzen die mit feinem Filz aus Robbenfell gefüttert waren, er probierte herum bis er eine fand die ihm passte und noch Platz für den Bart ließ, die würde er bei einem Sturm dringend brauchen. An der Wand neben dem Ausgang der Höhle hingen ein paar Knochenspeere mit gefettetem Leder bezogen und rasiermesserscharfen Feuersteinklingen versehen. Er prüfte Sorgfältig alle vorhandenen Waffen und suchte sich die beste aus.


    Ein Gang auf der anderen Seite der Höhle führte ihn aus dem Wechselraum hinaus nach oben, endlich dem Tageslicht entgegen, es war an der Zeit wieder die Frostöde unter den Stiefeln zu spüren.


    Der Ausgang strahlte im gleißenden Licht das die vom gefrorenen Schnee reflektierte Sonne erzeugte und er zögerte kurz bevor er hindurchtrat. Dann schnaubte er, nahm die Schultern hoch, zog den Kopf ein und trat in das helle Licht des neuen Tages.

    Bruder Fulcrum Alarich Gletscherherz
    Jagdrudelführer des Jagdrudels Hewlânosh




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    "Caprum non iam habeo"

  • Rollo lacht nie über andere...... 🙈 😇 🤣

    Kampfname:Karim Messerschwinger
    Händler,Söldner,Dienstleister
    Teestuben und Handelsposten Betreiber in Karan, Finsterwald und in den 1000 Hügeln



    Rollo Schnellhand
    Frosttaler Jäger
    Hüter des Feuers Frostaler Jagdhütte

  • Ein paar Minuten im harten Licht einer kalten Wintersonne reichten um die überforderten Augen langsam an das Spektakel aus Weißtönen zu gewöhnen. Es war gerade mitten in der Stillzeit welche die Warmländer vermutlich als "Sommer" bezeichnet hätten, ein Wort das einem hier im Reich aus Eis nur schwerlich über die Lippen kommen wollte. Anders als zur Sturmzeit, der anderen Jahreszeit in Frosttal war es auf den ersten Blick einigermaßen friedlich, aber das täuschte, die Stillzeit hatte eigene Gefahren die raffinierter waren als Blizzards die mit Frost und kalten Feuer nach einem warfen.


    Als etwas warm aus seiner Nase tröpfelte wischte er mit der Hand danach und betrachtete die tiefroten Spuren die sofort auf dem hellen Robbenleder gefroren überrascht.


    Scheiße. Kristallwinde.


    Ein Griff zur Sturmmaske und ein paar Sekunden später atmete er durch das feine Gespinst aus Spinnenseide das in der Nasenöffnung der Maske untergebracht war und die tückischen kleinen Eiskristalle aus der Briese filterte die ihn umspielte. Wenn man diesen rasiermesserscharfen Froststaub auch nur einen Moment zu lange einatmete hustete man kurz danach die Innenseite seiner Lungen als blutigen Brei in den Schnee. Es gab wirklich schönere Tode.


    Nun ja, das war schon eher ein Willkommensgruß im Stil des Bären. Wurde Zeit sich aufzumachen, je eher er aus diesem Gebiet herauskam desto eher konnte er die Maske mit den schmalen Sehschlitzen gegen Schneeblindheit wieder abnehmen. Zuerst brauchte er Ausrüstung für die Reise durch die Frostöde, einen Sania und Sniekschuhe vor allem, das gab es bei der Hafenmeisterin. Der Weg zur Herrin des Hafens war abschüssig aber frisch geriffelt worden um nicht zu rutschig zu sein. Bis auf diese eine Stelle da in der Mitte die ihm ins Auge fiel. Als Kind dieser Welt konnte er zwanzig Arten von Schnee an der Art unterscheiden wie er das Licht reflektierte, das war Lebenswichtig. Das hier war blankes Eis unter einer dünnen Puderschneeschicht. Waren die Jäger beim Wege richten hier nachlässig gewesen? Darauf konnte er sich keinen Reim machen. Würde er da drauf treten zöge es ihm die Beine weg und er würde den Rest des Weges auf dem Arsch hinunterwedeln und sich vielleicht sogar verletzen.


    Er umrundete die Stelle vorsichtig. Das rief sofort eine Reaktion nach sich. Drei ziemlich große Burschen erhoben sich hinter einer Schneewehe nicht weit links und kamen schnaubend auf ihn zu gestapft. Ah, Struutii. Jungjäger die es bisher nicht geschafft hatten sich einen Platz in einem der Namhaften Jagdrudel zu verdienen....und jetzt offensichtlich auf Schabernack und Ärger aus waren.


    Der ganz vorne war ziemlich groß, einen guten Köpf größer als er selber und hatte Nackenmuskeln wie eine Bärenrobbe. Er hätte gewettet das er hier das Blut Aelfreds vor sich hatte, Jäger aus dieser Blutlinie konnten groteske Ausmaße annehmen. Die beiden anderen hielten sich seitlich hinter ihm...typische Mitläufer die sich an ein größeres Raubtier geheftet hatten um von den Resten zu profitieren.


    "Was bist Du denn überhaupt für einer, hä?" blaffte ihm der Struutii entgegen.


    Hm, keine Namensnennung? Nicht mal der Rufname? Das war nach hiesigen Verhältnissen schon eine ziemlich grobe Beleidigung. Etwas überraschend das sich ein Struutii das heraus nahm, selbst einer von dieser Größe.


    Dann ging ihm auf was hier gerade passierte. Er trug Gästekleidung und eine Sturmmaske. Diese Halbstarken hielten ihn für einen Warmländer! Und jetzt waren sie sauer weil ihr geplanter "Spaß" mit dem blöden Warmländer in die Hose gegangen war. Kurz wallte Zorn in ihm auf und eine Hand wanderte zur Jagdklinge. Dann rief er sich zur Ordnung, diese jungen Brüder waren nur etwas ungestüm, ein Wesenszug den der Bär zu schätzen wusste. Es fehlte Ihnen lediglich an Erfahrung und vermutlich auch ein bisschen an Grips aber hier bot sich eine Gelegenheit etwas zur Ausbildung dieser drei beizutragen.


    Er ging dem Großen gerade entgegen, er würde auf etwa zwei Schritte heranmüssen damit das aufging, also erstmal ein bisschen dummes Warmländerzeug erzählen..was war am dümmsten von den Gesprächsthemen in den Warmlanden? Ah ja, natürlich..


    "Ah, Ihr seid sicher hier um mich zu begrüßen und einzuweisen damit ich mich nicht verlaufe edler Nordmann..?" (Er war ein bisschen stolz auf den leicht näselnden Warmland-Akzent)


    Verblüfft blieb der Große stehen "Hä? Wir sind keine Nordm…." Mit einem dumpfen Krachen landete ein kräftiger Hieb mit dem stumpfen Ende des Knochenspeers genau zwischen den Sehschlitzen seiner Maske. Großmaul setzte sich umgehend auf seinen breiten Arsch und begann den abschüssigen Weg hinterzusausen. Der rechte Mitläufer drehte den Kopf und starrte seinem Freund verblüfft hinterher. Sehr schön, hätte er etwas erfahrener reagiert wäre das hier vielleicht schiefgegangen. Er schob den Schaft zwischen die Beine des Struutii und hebelte ihn vom Weg, direkt seinem Kumpanen hinterher. Der Dritte im Bunde war cleverer und hob eine Keule aus dem Hauer einer Bärenrobbe. Aber alleine fehlte diesem einfach die Masse um ernsthaften Widerstand aufzubringen und ein gerade Stoß mit dem Handballen gegen den Kopf ließ ihn denselben Weg nehmen wie seine Vorgänger.


    Grinsend sah er der trudelnden Reise zu die weiter unten ein unrühmliches Ende in einer tiefen Schneewehe nahm. Gut gut, dann waren sie wenigstens weich gelandet und hatten Zeit sich die schmerzenden Köpfe und Eier zu kühlen.


    Mit Gedanken an viele Lektionen ähnlicher Art in seiner eigenen Ausbildung wanderte er rüber zum Eingang der Sanihöhle wo er hoffte die Hafenmeisterin zu finden.

    Bruder Fulcrum Alarich Gletscherherz
    Jagdrudelführer des Jagdrudels Hewlânosh




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  • Die Höhle hatte den typischen massiven Eingang, sechs Schritt ging es in das Eis hinein, nur knapp menschengroß war der Zugang aus dem Gletscher geschnitten, denn die meisten räuberischen Kreaturen dieser Welt waren deutlich größer als ein Mensch und hatten so nur sehr schwer Zutritt. Dann machte der Gang noch zwei scharfe Biegungen um so dem Frostwind keinen direkten Zugang zu lassen und am Ende des Einganges hing noch ein schwerer Vorhang aus geöltem Leder und Fellen um soviel Wärme wie möglich drin zu behalten. Nach dem Vorhang eröffnete sich eine weitere Höhle, diesmal etwa vier Schritt hoch und dreißig Schritt im Quadrat. Im Unterschied zur kargen Gästehöhle machte diesen einen bewohnten Eindruck, die Wände waren mit Jagdtrophäen und Ausrüstung behangen, es gab ein großzügiges mit schönen Pelzen belegtes Lager und eine mit Stein ausgelegte Feuerstelle in der ein Torffeuer vor sich hin glühte.


    Er blieb im Eingang stehen, nahm einen Schlegel aus Bärenrobbenhorn vom Boden und schlug auf das straff über einen Rahmen gezogene Leder das am Eingang hing. Ein dumpfer Trommelton erschallte und hallte durch den Raum. Dann wartete er darauf vom Besitzer dieser Höhle empfangen zu werden.


    Die Herrin lies nicht lange auf sich warten und entpuppte sich als draller rothaariger Wirbelwind von etwa anderthalb Schritt Höhe und einem Gewicht von ungefähr siebzig Stein. In der Wärme der Höhle trug sie einen mit feinem Robbenpelz gefütterte Weste die mit Knochenplatten vom Remorhazz gepanzert war zu weiten Hosen aus feinem Leder. Ihre unanständig bloßen Arme steckten in Armschienen die dicht mit gemein aussehenden Feuersteinklingen besetzt waren und wiesen eine ähnliche Muskulatur auf wie die der warmländischen Seeleute die er auf dem Weg hierhin getroffen hatte. Außerdem fand sich ein Netz aus Narben dort das bis zu den kräftigen Schultern hochlief. Ein Blick in eine Höhlenecke offenbarte eine aufrecht stehende dicke Rolle aus getrocknetem Bärenrobbenleder das mit unzähligen Schnitten, Kratzern und Löchern übersäht war. Das Muster dieser Spuren sagte ihm etwas, die Herrin dieser Höhle übte sich offensichtlich fleissig im Kampfstil des Schneelaurers. Diese Mistviecher sprangen einen Feind an, krallten sich fest und bearbeiteten Ihn dann mit Krallen und Zähnen bis er verblutete. Er hätte darauf gewettet das sich im dichten Fell ihrer Stiefel knöcherne Haken und Spitzen verbargen die ähnlich schlimmer Schnitte reißen würden wie die Feuersteinklingen ihrer Armpanzer.


    Die grünen Augen des Rotschopf beobachteten ihn neugierig und ihm wurde klar das sie erstens gerade eine ähnliche Liste über ihn erstellt hatte und er zweitens nahe daran war eine Unhöflichkeit zu begehen. Er wollte etwas daher hatte er sich hier vorzustellen.


    "Herrin des Hafens. Ich bin Fulcrum Alarich Gletscherherz vom Jagdrudel Hevlanosh und ich benötige Ausrüstung für die Reise nachhause von Dir."


    Interesse flammte in den Augen des Weibchens auf.


    Oh nein.


    Klar, er gehörte zu einer Blutlinie und war Jäger in einem namhaften Jagdrudel, die Auswahl an lohnenden Männchen hier draußen war wohl nicht groß wenn man von den Strutii vor der Höhle ausging. Grundlegend war das ja schmeichelhaft, aber die Kleine war höchstens zwischen Fünfzehn und siebzehn Wintern alt und hatte Muskeln die aussahen als wären sie aus blankem Eis gemeißelt. Und Fulcrum hatte noch einen dreißigtägigen Marsch durch die Frostöde vor sich. Beidem fühlte er sich gerade wirklich nicht gewachsen. Ablehnen würde er eine entsprechende Aufforderung des Weibchens selbstredend nicht können. Erst recht nicht weil ein Weibchen das in so jungen Jahren schon Herrin des Hafen war einiges an Verdiensten gesammelt haben musste.


    Also, wie bringt man ein Raubtier das sich auf eine Beute fixiert hat aus dem Jagdfieber? Man verhält sich nicht wie Beute und verwirrt es dadurch, große Räuber sind geistig nicht besonders flexibel was sowas anging und er hatte noch einen Trumpf im Ärmel wie die Warmländer sagen würden.


    Er setzte die Schneemaske ab. Sein langer von grau und weiß durchzogener Bart fiel herunter. Die Herrin blinzelte überrascht. Nach den Maßstäben der Frosttaler war er ein älterer Mann, fast schon ein Greis. Männer wurden hier nur sehr sehr selten so alt das ihre Bärte Zeit hatten die Farbe zu wechseln. Es war absolut möglich das er der älteste lebende Mann war den sie je gesehen hatte. Ihr Beuteschema waren üblicherweise Männchen in ihrem Alter, das verwirrte sie.


    "Äh...willkommen zuhause Jäger. Ich bin Dulina Halkyria Blutnebel. Dein Wunsch sei gewährt, setz Dich und nimm Dir was zu essen bevor Du mir erzählst was Du genau brauchst."


    Puhh..soweit so gut. Jetzt musste er das Weibchen beschäftigt halten damit sie nicht groß zum nachdenken kam und direkt nach dem packen wieder hier raus sein bevor es Abend wurde. dann würde er mit dieser Jagdlist vielleicht Erfolg haben.

    Bruder Fulcrum Alarich Gletscherherz
    Jagdrudelführer des Jagdrudels Hewlânosh




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    "Caprum non iam habeo"

  • Drei Stunden später hatten vier kundige Hände einen niedrigen Sania-Schleppschlitten mit gefetteten Kufen aus glattpoliertem Walbein gepackt und alles sicher verschnürt. Fulcrum war jetzt im Besitz von tellerartigen auf einen Holzrahmen geflochtenen Sniekschuhen um auf weichem Schnee laufen zu können, zwanzig Schritt Kletterseil aus dünnen zähen Lederstreifen verflochten, Kletterhaken und Steigeisen aus gehämmertem schwarzem Eisen, Einem Schlafsack aus Robbenpelzen, einigen Talgkerzen die sowohl Licht und Wärme gaben als auch als Notration geeignet waren, Einem Kupfertopf zum kochen und Schnee schmelzen, einem langen Sägegezahntem Schneemesser, das als Waffe eher ungeeignet aber unerlässlich für den Bau von Schneebehausungen unterwegs war, zwei Laufstöcke mit Eisenspitzen, Reparaturmaterial und Werkzeug für alles an Kleidung und Ausrüstung was er dabei hatte mit Ausnahme der Eisengeräte, gepresste und getrocknete Torfblöcke für Glimmfeuer als Wärmequelle und zehn Rationen Läuferfutter, einer Mischung aus Trockenfleisch, Trockenfrüchten und Nüssen die in lederne Beutel gefüllt und mit heißem Fett übergossen wurden. Nicht sehr aufregend im Geschmack aber genau das was einen Jäger zwölf Stunden am Tag marschieren ließ.


    Diese zehn Rationen waren der einzige Streitpunkt zwischen der Herrin des Hafens und dem Jäger. Ein Warmländer würde diese Menge als "ambitioniert" bezeichnen und damit ein unverständliches Wort benutzen um zu sagen das ein kluger Jäger für einen Dreißigtagemarsch üblicherweise zwanzig Rationen mitnehmen würde um die übrigen zehn auf dem Weg durch Jagd zu erbeuten. Fulcrum hatte also vor sich Beute für zwanzig Tage auf dem Marsch zu erjagen, das war ein hochgestecktes Ziel, bei sowas waren schon Jäger in den Frostöden verhungert.


    Fulcrum konnte Dulina leider nicht erklären das er sich gezwungen fühlte diesen Weg zu wählen weil er der erste Jäger seines Rudels war. Es wurde ERWARTET das er härter, schneller und klüger als ein normaler Jäger war, immer. Das Eingeständnis das er ein Jagdrudelführer eines nahmhaften Rudels war würde allerdings gleichzeitig ziemlich sicher dafür sorgen das er sofort fällig war und er hatte es fast geschafft diesen zugegeben recht hübschen Schenkeln aus Gusseisen fürs erste zu entgehen.


    Fertig gepackt stand schließlich der Sania mit dem zugehörigen ledernen Brustgeschirr vor der Höhle, bereit zum Aufbruch.


    Dulina sah den Jäger abschätzig an.


    "Du brauchst übrigens nicht zu glauben ich hätte die Jagdlist nicht bemerkt Du Fellschädel, aber fürs erste gestatte ich Dir Deine Gründe zu haben für dieses seltsame Verhalten. Hier, die ist noch aus der Zeit meines Großvaters und wartet schon lange auf jemanden der mit sowas noch umzugehen vermag, das Jungvolk das draußen rumlungert hat keine Ahnung mehr davon.."


    Fulcrum neigte ergeben den Kopf, er hätte wissen müssen das er ein Weibchen so einfach nicht ausmanövrieren konnte, es gab Gründe warum sein Volk von Frauen geführt wurde. Dulina hatte ihm eine schön gearbeitete Eishacke zum Klettern in Eiswänden gegeben, ganz aus versteinertem Knochen geschnitten. Ein wunderschönes Werkzeug, unempfindlich gegen Frost der Stahl springen lassen würde wie Glas, und härter als das dickste Gletschereis. Allerdings hatte dieses seltene Material seine Tücken, wenn die Hiebe nicht sauber gesetzt würden zerbräche es in spröde kleine Stücke. Mit sowas zu arbeiten verlangte viel Übung in einer Kunst bei der jeder Fehler normalerweise tödlich endete.


    "Ich danke Dir für Deine Großzügigkeit Herrin des Hafens. Ursuns Auge weile auf Deinem Tun und so der Bär will werden wir uns irgendwann wiedersehen."


    Dulinas Blick sagte deutlich das er auf der Rückreise besser zwei Tage mehr Zeit einplanen sollte bevor er irgendeine Galeere besteigen würde...


    Fulcrum machte lieber das er wegkam bevor das Raubtier es sich doch noch anders überlegte, verbeugte sich noch einmal kurz und verließ die Höhle geduckt.


    Draußen legte er mit einigen Mühen das Brustgeschirr des Schlittens an der ungefähr soviel Wog wie er selbst, aber im Laufe der Tage leider schnell an Gewicht verlieren würde. Die neue Eishacke lag sicher verstaut auf dem Schlitten neben dem griffbereiten Speer, das Jagdmesser saß frisch eingefettet locker in der Scheide und damit konnte es eigentlich losgehen. Ein prüfender Rundumblick durch die schmalen Schlitze der Eismaske ob die Struutii sich noch "verabschieden" wollen würden fiel negativ aus, seltsam, er hätte eigentlich drauf gewettet das da noch was kommen würde, aber gut, jeder irrte sich gelegentlich.


    Die Frostöden warteten. 4 Millionen Quadratschritte des lebensfeindlichsten Territoriums das sich ein geistig normaler Mensch nur vorstellen konnte. War es nicht schön ein Kind des Bären zu sein?

    Bruder Fulcrum Alarich Gletscherherz
    Jagdrudelführer des Jagdrudels Hewlânosh




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  • Seine Beine brannten.


    Stetiger Marsch im eintönigen Rhythmus, Stunde um Stunde. Den schmerzenden Rücken ignorieren, das Stechen in den Schultern von den Schleppriemen des Schlittens.


    Er wusste das würde schnell nachlassen, in vier oder Fünf Tagen wäre das alles verschwunden und er würde wieder wie früher über die Ebenen ziehen. Energiegeladen und unaufhaltsam. Das hoffte er zumindest.


    Die erste Marschnacht war friedlich gewesen, so nah am Freihafen hielten sich noch nicht viele große Räuber auf (von Dulina mal abgesehen). Die unorganisierten Gruppen der Struutii waren nicht so gefährlich wie richtige Jagdrudel aber in den letzten Generationen hatten alle Wesen dieser Welt gelernt das Menschen mit Vorsicht zu genießen waren wenn sie in Gruppen kamen. Ein komplettes Jagdrudel entsprach einem großen Raubtier, drei davon konnten es auch mit den größten Gegnern im Land des Bären aufnehmen. Solange die großen Räuber dieser Welt nicht lernten im Rudel zu jagen waren die Menschen in ihrer Jagdtaktik überlegen und begannen Nutzen daraus zu ziehen.


    Nichtsdestotrotz war es ein Unterschied ob man sich als Jagdrudel bewegte oder als Einzeljäger. Das Rudel wanderte wie ein Jäger, der einzelne Jäger bewegte sich wie Beute, Nachts, leise, sehr vorsichtig und umsichtig.


    Die Stillzeit hatte ihre Vorteile, er kam zügig voran und man konnte dank der Geisterlichter am Himmel auch nachts weit sehen. Die Nachteile waren damit auch klar, man wurde auch weit gesehen und jeder Schritt auf dem verharschten Schnee klang laut wie ein zusammenbrechender Berg in der absoluten Stille. Regelmäßig hielt er an um zu lauschen, zu beobachten und eine Hand auf den gefrorenen Boden zu legen um nach dem leisen Vibrieren zu tasten das ein wandernder Rhemorrhaz tief im Eis verursachen würde. Seine Augen waren immer auf die nächsten hundert Schritt Boden gerichtet und verglichen die Lichtreflektionen des Schnees mit den Bildern seiner Erinnerung. War das da vielleicht eine verschneite Gletscherspalte? Was war mit dem Schatten dahinten, eine tiefe Schneewehe in der man ersticken konnte? Lag dort drüben ein Gletscherwurm auf der Lauer? All dies lief bereits wieder weitgehend von selber ab ohne das er dabei aktiv daran denken musste. Seine Gedanken kreisten um Streckenlängen, Marschstunden, Nahrung und Wasser.


    Das einzige was in diesem Land genauso tödlich war wie die großen Räuber war der Fehler den man gestern gemacht hatte und der sich jetzt nicht mehr ausbügeln lies. Die Kleidung nicht trocken gelagert und deswegen in feuchte Hosen gestiegen? Tödlich. Die Nahrung nicht im Auge gehabt und jetzt keine Energie mehr um weitere Nahrung zu jagen? Tödlich. Die Sniekschuhe nicht rechtzeitig repariert und jetzt im Klammerschnee versackt? ebenso tödlich. Im Rudel konnte man Fehler ausgleichen, alles wurde auf mehrere Schultern verteilt, man hatte Reserven und Möglichkeiten. Alleine hatte an nur seine Erfahrung, seinen wachen Geist und sehr viel gründliche Vorausplanung.


    Nach einem Zehnstundentag auf den Sniekschuhen suchte er sich eine geeignete Schneewehe und begann den weichen Schnee weg zu schaufeln. Es galt einen Ruheplatz für den Tag zu errichten. Nach dem entfernen des Weichschnees kam das große Sägemesser zum Einsatz und er schnitt eine Lagerkuhle in den gefrorenen Schnee hinein. zweieinhalb Schritt lang, anderthalb Schritt breit. Er bevorzugte es etwas mehr Arbeit zu haben dadurch das er Extralagerplatz ausschnitt aber dafür die Nahrung vom Schlitten mit in die Höhlung nehmen konnte um in der Dämmerung keine böse Überraschung zu erleben weil ein Schneelaurer seine Fettvorräte geräubert hatte. Diese leider recht klugen Viecher hatten schnell gelernt das die Schlitten der Menschen fast immer gehaltvolle Nahrung enthielten. Nachdem er die Höhlung fertig hatte versteckte er den Schlitten mit der restlichen Ausrüstung im beiseite geschaufelten Tiefschnee, und lies es sich nicht nehmen einen Beutel mit Läuferfutter als Köder für eine einfache Falle zu verwenden die er aus einer Schlinge des ledernen Seils und der sehr beigsamen gezackten Klinge des Schneemessers improvisierte. Ein Schneelaurer war nicht besonders lecker, konnte ihn aber weitere zwei Tage mit Nahrung versorgen. Außerdem würde ihn die Falle warnen falls der Tag ungebetene Besucher vorbeibringen würde.


    Dann kroch er in die Lagerhöhle wo seine Vorräte eingelagert waren, verschloss den Eingang bis auf ein kleines Luftloch und wickelte sich in den Robbenfellschafsack um etwas Torf anzuzünden, Schnee im Kupferkessel zu schmelzen und etwas zu essen bevor er schlafen würde.

    Bruder Fulcrum Alarich Gletscherherz
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    "Caprum non iam habeo"

  • Ziemlich steif und zerschlagen wurde er wach. Jap, DAS Gefühl kannte er zur genüge. Ächzend richtete er sich auf und massierte die widerwilligen Oberschenkelmuskeln im Dunkeln. Nunja, alles in allem war der Anfang besser gelaufen als er befürchtet hatte, leider aber auch nicht so gut wie erhofft. Er trank ausgiebig, aß etwas, wusch sich mit dem Restwasser grundlegend und beschäftigte sich dann mit dem Kunststück im Liegen in den Berg aus Pelzkleidung zurückzuhampeln wobei er zweimal fast die Deckschicht des Schneelochs zum Einsturz gebracht hätte. Dann nahm er das Jagdmesser und die Schneehacke und durchbrach die Schneewand nach draußen.


    Es begann gerade wieder zu dämmern und wenn er mit dem Packen des Schlittens fertig war würde es angemessen Dunkel sein um losziehen zu können. Die Falle war unangetastet, das war einerseits gut, weil ihn folglich kein Raubtier gefunden hatte, anderseits natürlich Schade weil damit auch keine Beute reinkam. Aber es ging ja gerade erst los, Beute brauchte vor alle viel Geduld. Eine gute Stunde später war wieder alles richtig und griffbereit verstaut und das Brustgeschirr an seinem Platz. Er nahm die beiden Laufstöcke in die behandschuhten Hände und stapfte zügig los. Die grobe Richtung war einfach festzustellen, der imposante Gipfel der uralten Festung Stormspaik dominierte die fernen Frostöden weithin, das Problem bestand darin durch einen verdammten Irrgarten aus Gletschern, schroffen Eisklippen, tiefen Spalten und den Jagdgebieten von Raubtieren die sich allesamt auch noch durchgehend veränderten den Pfad dorthin zu finden. Er würde das gefährliche Reich der spitzohrigen Schwarzmähnen zur linken großzügig meiden, die "Elfen" wie die Warmländer sie nannten" waren in den Warmlanden ja ganz umgänglich, aber die hiesige blasse Brut bestand aus hinterhältigen Bastarden denen man besser aus dem Weg ging. Es gab ein paar wenige Frostödschatten die es mit Ihnen in Sachen Hinterhalt und Fallenstellen aufnehmen konnten, und sich Gerüchten halber eine seltsame Art von Kräftemessen darin mit jenen lieferte, aber er gehörte nicht zu diesen wenigen Begabten. Seine besonderen Fähigkeiten lagen...anderswo. Zur Rechten lag in der Ferne das Reifgebirge, Dort lockte Beute in Form von fetten Frosttspinnen aber auch Eistrolle, das war Ihr Revier. Sie kamen heutzutage nicht mehr oft her, die Schwarzmähnen hatten ihnen oft sehr endgültig klargemacht das sie hier nicht erwünscht waren, wie alle Fresskonkurrenten. Er würde sich mittig von beidem halten und die vergleichsweise sichere Route wählen wo wenig los war.


    Etwa um Mitternacht kam das erste größere Hindernis, eine tiefe klaffende Gletscherspalte blockierte den Pfad. Er wanderte eine gute Stunde am Rand des Spalts entlang bis eine Stelle in Sicht kam die sich für den Übergang zu eignen schien. Jetzt würden Kletterkrallen und das lederne Seil zum Einsatz kommen. Der Spalt war hier etwa drei Schritt breit, das war zu überwinden. Nachdem der Schlitten gesichert und befestigt war steckte Fulcrum ein paar Eishaken ein um das Seil drüben sichern zu können, befestigte die Hacke am Gürtel, nahm einen kurzen Anlauf und sprang.


    Den feinen Haarriss der sich durch den kleinen Vorsprung auf der anderen Seite zog hatte er aus der Entfernung nicht erkennen können. Der Vorsprung erbebte als der massige Jäger, mit Ausrüstung immerhin 140 Stein schwer, aufprallte. Fulcrum verklammerte sich mit den Kletterkrallen so fest er nur konnte im dicken Eis und hielt die Luft an. Ein Stoßgebet an Hevla die Ursunsenkelin, seine Schutzpatronin sollte hier doch helfen?


    Als der Vorsprung mit einem trockenen Knacken abbrach und mit dem Jäger drauf in der schwarzen Finsternis der Spalte verschwand sah er vor seinem geistigen Auge kurz einen großen weißen Bären der die Achseln zuckte. Dann kam ein paar Sekunden nur das sausen des Fallwindes und dann ein harter Aufprall der alle Lichter ausgehen lies.

    Bruder Fulcrum Alarich Gletscherherz
    Jagdrudelführer des Jagdrudels Hewlânosh




    Professionelle Magdanalyse für alle Bereiche!


    "Caprum non iam habeo"

  • Der hungrige Schrei einer fernen Tschaika die am Himmel ihre Kreise zog weckte ihn. Hoch oben war ein schmales blaues Band zu erkennen das von zwei grauweissen Wänden eingefasst wurde. Er lag auf dem Rücken und alles tat weh. Was war passiert? Er versuchte sich zu erinnern...


    Ah, die Gletscherspalte. Der Vorsprung. Er war in den verdammten Spalt gestürzt, Bärendreck!


    Langsam drehte er den schmerzenden Kopf von rechts nach links. Tat weh, ging aber noch. Offenbar lag er immer noch auf dem abgebrochenen Vorsprung der sich beim Fallen im Spalt verkantet haben musste. Soweit so gut. Nach und nach bewegte er langsam alle verfügbaren Knochen, beim linken Arm und beim linken Bein durchzuckten ihn scharfe Schmerzen. Irgendwas war kaputt gegangen. Trotzdem lebte er noch, der Entfernung des blauen Bandes nach, also des Himmels den er aus dem Spalt heraus sehen konnte war er gut dreißig Schritt abgestürzt, dafür ging es ihm ziemlich gut, er lebte immerhin noch. Stöhnend versuchte er sich aufzurichten wobei er den linke Arm nicht benutzte um sich die Bescherung anzusehen. Grundlegende Heilkunde hatte er vor Jahren gelernt, eine dauerhaft nützliche Fähigkeit in seinem von Gewalt und Verletzungen geprägtem Leben. Der Arm war ziemlich sicher gebrochen, schien aber nicht offen zu sein. Das Bein sah scheiße aus, er glaubte sogar ein Stück vom Knochen sehen zu können der seitlich aus dem Unterschenkel ragte. Der Tag wurde besser und besser. Er legte sich wieder zurück um Kraft zu schöpfen und dachte nach.


    Als langjähriger Veteran der Pranken Ursuns, des bewaffneten Arms des Hohepriesters des Bärenkultes, waren ihm im Laufe der Zeit und nach erfolgten Taten nach und nach einige Geschenke des Bären zu teil geworden die bei Jägern in dieser Form eher selten zu finden waren. Zum Beispiel verheilten seine Wunden unnatürlich schnell, auch schwere. Leider auch ohne jede Narbe zu hinterlassen, er ärgerte sich seit Jahrzehnten darüber. Was für eine großartige Sammlung an Narben er heute lohnenden Weibchen hätte zeigen können....Naja, seis drum. Jammern brachte ihn nicht weiter. Der Arm machte ihm keine großen Sorgen, gefühlt würde er sagen das die Knochenenden noch aufeinander lagen und der Bruch würde binnen der nächsten zwei Stunden verschwunden sein. Da lag auch gleich das Problem des ganzen. Das Bein musste erst eingerichtet werden sonst würde sich die Wunde um den herausragenden Knochen schließen und er sähe aus wie ein falsch gebackenes Kuchenmännchen. Er musste also mit einem gesunden und einem nur teilweise nutzbaren Arm hier unten sein Bein richten und den Knochen wieder gerade übereinander schieben. Es sagte viel über das Leben Fulcrums aus das er wusste wie weh das tun würde da er sowas tatsächlich nicht zum ersten mal machte. Leider auch nicht zum zweiten Mal. Er HASSTE sowas.


    Eine gute Stunde und zwei weitere Ohnmachten später lag er völlig erschöpft wieder auf dem Rücken. Das Bein in der jetzt aufgeschnittenen Pelzhose war gerade und er hatte einen Lederriemen fest drumherum gewickelt damit er nicht alles vollblutete. Die Platzwunde am Kopf die er dabei entdeckt hatte als ihm Blut von hinten in die Augen lief war bereits wieder verschwunden und die Prellungen an Rücken und Schultern ebenso. Geschützt von der dicken Pelzkleidung würde er jetzt noch ein Stündchen die Augen schließen und dann, sofern nichts unvorhergesehenes dazwischen kam, langsam mal sehen wie er aus diesem Loch hier wieder herauskam.


    Es geschah nichts unvorhergesehenes, der Reiseverkehr am Grunde einer Gletscherspalte war natürlich auch ziemlich gering. Ächzend zwang er sich auf die Füße und sah sich im Halbdunkel der Spalte um. das Eistsück auf dem er stand hatte ungefähr 6 Rechtschritt und ….schwebte zwischen den Wänden der Spalte..? Er hatte erwartet verkantete Enden zu sehen aber zwischen den Rändern seines Eisblocks und den Wänden der Spalte war noch reichlich Platz. Auf was lag dieses Ding beim Barte des Branca Ursus? Er trat an den Rand des Blocks und schaute runter.... Dann schaute er noch etwas länger runter weil er nicht ganz verstand was er da sah. Der Eisklotz auf dem er stand lag auf einer Art grauweißen Masse welche die Eisspalte anscheinend der Länge nach komplett ausfüllte. Was war das denn für ein Zeug? Fulcrum zog das Jagdmesser und legte sich auf den Bauch, mit ausgestrecktem Arm konnte er die Masse gerade so erreichen. Ratlos stocherte er etwas darin herum, Es war zäh, halb gefroren und federte..? Immerhin war jetzt klar warum er den Sturz überlebt hatte, der Block war auf diesem Zeug relativ weich gelandet. Na gut, das musste er herausfinden. Mühsam klettterte er vom Block auf die Masse herunter und trampelte etwas darauf herum. Dann hopste er versuchshalber ein paar mal. Seltsames Gefühl...das fühlte sich an als würde man auf etwas lebendigem stehen.


    Konnte das denn möglich sein?


    Er kniete sich vorsichtig hin und schnitt einen langen Streifen aus der grauen Masse den er zur Seite klappte. Jap. Diese Struktur kannte er. Das war Fleisch. Zähes sehniges, nach Ammoniak stinkendes und daher völlig gegen die Kälte gefeites Fleisch.


    Er stand auf einem toten Gletscherwurm. Das Untier musste sich beim graben in die die Spalte gebohrt und dann im schmalen Spalt verkeilt haben, wo es durch den Druck der Wände schließlich entweder erstickt oder zerdrückt worden war. Das sah man auch nicht alle Tage. Diese riesigen Monster jagten fast nur unterirdische Kreaturen wie Remorhaz oder Gletscherspinnen, zu Gesicht bekam man sie so gut wie nie. Kopfschüttelnd betrachtete er die Ausmaße der Kreatur, in der Länge bestimmt hundert Schritt lang und zehn Schritt im Durchmesser. Was für eine unglaubliche Menge an Fleisch! Leider weitgehend ungenießbar, zumindest in diesem Zustand. Wenn man das essen wollte musste es erst Monatelang in den Eiswind gehängt werden bis der langsame Verwesungsprozess das Ammoniak aufgelöst hatte, vorher bekam man nichts davon herunter und auch dann war es eine nur schwer erträgliche Nahrung. Er schnitt ein paar dicke Streifen heraus und hängte sie sich auf den Rücken, man wusste ja nie, vielleicht wars noch zu was gut. Immerhin würde er zuhause was zu erzählen haben das stand mal fest. Jetzt musste er aber erst mal aus dem eisigen Graben heraus und hoffen das nicht irgendein Räuber seinen Schlitten der noch oben stand geplündert hatte. Prüfend betrachtete er die Wände rechts und links. Gut, Eishaken, Kletterkrallen und die Hacke hatte er da. Es ging also nur darum eine dreißig Schritt hohe Eiswand zu erklettern. Klang jetzt seltsam, aber das würde er irgendwie hin bekommen, das gehörte hier zum täglichen Fleisch. Prüfend beugte er das linke Bein ein paarmal...joa, das würde inzwischen wohl gehen. Also, dann mal los..

    Bruder Fulcrum Alarich Gletscherherz
    Jagdrudelführer des Jagdrudels Hewlânosh




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    "Caprum non iam habeo"

  • Gute zwei Stunden später gestand er sich ein das wie so vieles auch das Eiswandklettern wirklich einfacher im Gedächtnis geblieben war...im zweiten Versuch hatte er es endlich fast geschafft der Spalte zu entkommen und lediglich noch zwei Meter vor sich. Die Tscheyka hatte sich als sehr zuverlässiges Werkzeug erwiesen und hatte ihm ungefähr dreimal den Arsch gerettet, ohne die Kletterhacke wäre er schon beim dritten Versuch aus diesem Drecksloch rauszukommen..


    Also noch den letzten Schwung und raus auf die Bruchkante..Er holte aus und schlug die Tscheyka soweit oben ins Eis wie er konnte..und wurde mit einem Kreischen belohnt. Der geflochtene Lederriemen der Tscheyka war als Sicherung um sein Handgelenk gelegt und zog ihn plötzlich nach oben als die Hacke sich aus unerfindlichen Gründen nach oben verabschiedete. Die Eiskannte schrammte hart über seine Rippen und er wurde in den Tiefschnee gezogen der die Ränder der Spalte bedeckte. Was bei den verfluchten Silberhäuten war denn jetzt los? Ein Blick nach vorne bescherte ihm eine volle Ladung Pulverschnee in die Kapuze und einen flüchtigen Blick auf weißes Struppiges Fell. Besonders hilfreich war das zugegeben nicht, hier trug so ziemlich jedes Tier weißen Pelz. Was hatte er sich denn da bloß eingefangen? Er versuchte die Schlitterpartie zu drehen um die Füße in den Schnee stemmen zu können. Im Gegensatz zu seiner eher mittelmäßigen Jagdkunst war Körperkraft genau sein Ding, das konnte er gut. Als er endlich seinen Körper herumgewuchtet hatte rammte er die borstigen Sohlen seiner Stiefel die aus dem harten Bauchpelz eines Walrosses gemacht waren und gut gegen Ausrutschen halfen tief in den härteren Reifschnee unter dem Pulver, zog die Knie an, packte den Stiel der Tscheyka mit beiden Händen und zog aus Leibeskräften. Das Viech vorne an der Hacke zeigte sich beeindruckt und wurde mit einem harten Ruck zum stehen gebracht. Angenehm wird es freilich nicht gewesen sein aus volle, Lauf an einem Dorn der deinem Fleisch steckt gebremst zu werden. Dementsprechend mies gelaunt drehte sich das unfreiwillige Zugtier um. Bärendreck. Ein Rassamacha, auch Schneelaurer genannt. Dieser marderartige Räuber wog etwa 60 Stein, war ausgesprochen kräftig und legendär für seine unglaublich schlechte Laune. Nicht das es darauf jetzt noch angekommen wäre. Zu Fulcrums Glück war er schon verletzt, die Tscheyka steckte tief im Muskel des Oberschenkels. Er musste unbedingt verhindern das dieses Vieh sich auf ihn warf, dann hätte er es mit vier scharfen Klauen und einem Maul voller spitzer Fangzähne zu tun. Zwar steckte er in dicken Pelzen und wäre vor den ersten Angriffen geschützt, aber er brauchte diese Pelze so unbeschädigt wie möglich, ohne Wärme warst du hier draußen totes Fleisch. Die Kräfteverhältnisse waren gut, Fulcrum war mehr als doppelt so schwer wie der Rassamacha und ziemlich sicher deutlich stärker. Zuerst zog der Jäger das lange Jagdmesser um es zwischen sich und das Tier zu bringen für den Fall das der Laurer gleich sprang, dann zog er sein Handgelenk aus der Lederschlaufe der Tscheyka, dies war Beute mit der er den engen Nahkampf besser mied.


    Der Rassamacha zog sich etwas zurück und beäugte seinen Gegner wütend, nein, der war echt angepisst und würde kämpfen, keine Gefahr das er mit der Kletterhacke im Bein vielleicht abhauen würde. Warum also groß warten? Fulcrum griff mit einem Stich zum Hals des Raubtiers an, schön an den Nackenmuskeln vorbei ins Herz, das käme jetzt gerade gelegen. Leider war der Laurer nicht nur kleiner als der Jäger sondern auch schneller. Ein tiefer Stich in die Schulter war alles was er herausholen konnte. Kreischend versuchte das Tier zuzubeißen und die nadelscharfen Fangzähne schlugen einen Finger vor Fulcrums Nase mit einem Klacken zusammen. Schlimmer als der Schreck war der Mundgeruch dieses Burschen, ein Odem aus halbverdautem Fleisch schlug dem Jäger entgegen. "Bah, Schlimmer als Buris geliebter gammeliger Robbenkäse..Du kleiner Stinker!". Ein harter Faustschlag von oben unterbrach den Angriff des Laurers, schmetterte seinen Kopf auf den gefrorenen Boden und kostete ihn ein paar Fangzähne. Mit neuem Respekt zog er sich wieder zurück. Stärke wurde im Land des Bären respektiert, auch von der Tierwelt. Der Jäger setzte nach und versuchte sein Glück diesmal mit einem Stich zu den Rippen, Schnitte wären nutzlos beim dichten Pelz des Tieres, er musste einen Angriff durchbringen der TIEF ging um wirklich Schaden zu verursachen. Noch gebremst durch die Nachwirkungen des Faustschlages versagten die Reflexe des Laurers diesmal, vielleicht machte sich auch das verlorene Blut durch die beiden Wunden in Bein und Schulter langsam bemerkbar. Die Klinge stach zwischen die Rippen und versank bis zum Parier im Leib des Laurers. Wieder kreischend bäumte das Biest sich auf und der Jäger brachte sein überlegenes Gewicht zum Einsatz um es auf den Boden zu drücken bis das hektische Zucken aufhörte. Keuchend stemmte er sich wieder hoch, Mann heute war echt nicht sein Tag. Auf der anderen Seite: Er hatte endlich Beute gemacht, Rassamacha war keine besondere Delikatesse aber auf jeden Fall essbar und würde ihm bestimmt vier oder fünf taugliche Rationen bescheren.


    Nachdem er das Tier schnell ausgenommen und die ungenießbaren Reste in die Gletscherspalte geworfen hatte schlug er das Fleisch in den Pelz des Tieres ein und vernähte es schnell. Dort würde es gefrieren und haltbar sein bis es gebraucht wurde. Der Schlitten stand noch unberührt in der Nähe, vermutlich war er es, bzw. der Geruch der Vorräte, die den Laurer angelockt hatten. Fulcrum hatte Glück gehabt mit dem Zeitpunkt, eine halbe Stunde später und er wäre ohne Beute und auch noch ohne Vorräte hier draußen gewesen. Nachdem alles verpackt und die Spalte im zweiten Versuch an einer anderen Engstelle dann auch endlich überwunden wurde kam er doch noch dazu Strecke zu machen. Emsig stemmte er sich in die Brustgurte und die Laufstöcke sondierten das Eis während er die Gedanken schweifen lies. Dies hier war schon etwas anderes als eine Reise in den Warmlanden. Hier wuchs man bei jedem Schritt den man tat. Oder man starb dabei.

    Bruder Fulcrum Alarich Gletscherherz
    Jagdrudelführer des Jagdrudels Hewlânosh




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    "Caprum non iam habeo"

  • Drei Tage in Schneelöchern und drei lange Tage auf den Beinen später hatten sich eben diese wieder an den alten Rhythmus gewöhnt und es ging erfreulich zügig vorwärts. Abgesehen von der Geschichte mit dem Gothmog...vergessen wir die Geschichte mit dem Gothmog, wen interessierte die schon, was in der Frostöde passierte das blieb auch da.. Die Spitze von Wuja Kalutschka oder Stormspaik war deutlich größer geworden, er würde die uralte Festung zum Ende des Marsches vermutlich erreicht haben. Das war gut, eine Nacht auf einem vernünftigen Lager täte seinem Rücken gut.


    Wuja Kalutschka war ein eisiges Rätsel. Die Festung existierte praktisch schon immer, sogar den Runenlesern war es nicht gelungen Aufzeichnungen zu finden in denen sie nicht existiert hätte, und die Runenhöhlen reichten tausende von Wintern in die ferne Vergangenheit. Von gigantischen Ausmaßen und geschnitten aus Gletschereis von der Dicke eines Berges wäre sie groß genug um jeden einzelnen Menschen seines Volkes aufzunehmen in ihren riesigen Hallen. Aber niemand konnte hier draußen in den Frostöden ohne Wärmequelle überleben und so hielten die Frosttaler Jäger hier nur einen kleinen Außenposten der vom Freihafen aus mit Brennmaterial versorgt werden konnte als Wegpunkt für Reisende und als ewige Mahnwache für die Ebene von Sud´ba.


    Als er näher kam konnte er sie sehen, die Mutter aller Burgen. Nichts auf seinen Reisen in den Warmlanden war ihr gleichgekommen, nicht einmal die schwarze Festung des Untodes in wirschen Mythodea vor deren Mauern er gekämpft hatte. Die Bauweise dieser Festungsanlage war...beunruhigend und entzog sich seinem Verständnis. Als erfahrener Jäger und Warmlandreisender kannte er sich mit Belagerungen und dem Sturm auf Burgen aus, aber dieses Bollwerk aus blankem Eis schien gebaut worden zu sein um Waffen zu widerstehen die er sich nicht vorstellen konnte und um Gefahren zu trotzen die es vermutlich seit vielen Generationen nicht mehr gab. Nichts schien wirklich zu passen. Tore waren zu hoch, Durchgänge zu breit, Winkel widersprachen sich. Irgendetwas tief in ihm war sicher das dieses Monstrum weder von Menschen, noch für Menschen gebaut worden war. Aber wie dem auch sei, die Vergangenheit war vorbei und die Menschen beanspruchten dieses Gebiet nun für sich und hielten es, als einen von drei Orten neben der Stadt und dem Freihafen.


    Als er sich Yama Tscherny näherte, dem bodenlosen Graben der die Festung umgab hörte er wieder das leise Jaulen der Fallwinde die von diesem finsteren Loch angezogen wurden. Man hatte bis zum heutigen Tage nicht herausgefunden wie tief der schwarze Spalt eigentlich war, sicher war nur: Nichts was hineingefallen war hatte man jemals wieder zu Gesicht bekommen. Der schmale und glatte Übergang der sich im weiten Bogen über Yama Tscherny spannte war der Grund warum sich weder Eistrolle noch Remorhaz hier sehen ließen, es war ihnen immer schwer gefallen diesen Grat sicheren Fußes zu überqueren, auch ohne dabei von den Speerschleudern der Jäger beschossen zu werden. Fulcrum lies sich Zeit, sicherte sich immer wieder mit den Laufstöcken auf dem eisigen Boden und arbeitete sich kontrolliert hinüber während die Winde an ihm und seinem Schlitten zerrten. Hundert Schritt waren nicht weit aber über Yama Tscherny kamen sie einem wie Tausend vor. Am anderen Ende der Brücke warteten schon zwei dick vermummte Gestalten auf Ihn. Er wusste das hinter den beiden Schlitzen im Eis rechts und links der Brücke noch vier standen welche die beiden großen Armbrüste aus schwarzem Eisen bemannten die mit Speeren geladen auf die Brücke gerichtet waren. Erleichtert betrat er festen Boden auf der anderen Seite und wandte sich an die Wache.


    "Ya Fulcrum Alarich, Strastwuitje Ochotniks!" grüßte er förmlich die Wache. Die Jäger nickten grüßend zurück, Fulcrum verstand wegen des heuenden Fallwindes aber ihre Namen nicht. Sie winkten ihn weiter. Drinnen würde Platz, Ruhe und Wärme zum reden sein. Die Mauern von Wuja Kalutschka schlossen sich um ihn wie die Arme einer seit langem wartenden Mutter und er fühlte ein intensives Gefühl von Heimat an diesem eigentlich fremden Ort. So lange war er nicht mehr hier gewesen unter gleichen, ein Jäger unter Brüdern und Schwestern, zusammen vereint gegen eine feindliche Umgebung. Allein dieses Gefühl war es wert gewesen hierher zu kommen.


    Nach einigen Durchgängen und großen leeren Hallen die nicht benutzt wurden kamen sie endlich in einen kleineren Saal der erleuchtet war und der im Gegensatz zu den anderen nackten Durchgängen mit Fellplanen verschlossen war. Als er diese dicken und schweren Vorhänge passiert hatte schlug die Wärme an diesem Ort buchstäblich über ihm zusammen. in der Mitte des Raumes brannte ein Feuer aus Torfblöcken und rund um die Feuerstelle waren Bänke aus Stein aus dem Boden geschlagen und mit Pelzen belegt worden. Um das Feuer herum hatten sich gut ein Dutzend Jäger versammelt und schwatzten und lachten miteinander während Töpfe mit Trockenfleisch und Hornbecher mit vermutlich warmen Schnaps die Runde machten. Er begab sich erstmal an den Rand des Raumes und entledigte sich der Brustgurte und seines Parrkquas, hier würde er sonst schnell ins schwitzen kommen. Er schnürte das Jagdmesser an den Untergürtel und ging dann zum Feuer. Die beiden Wachen die ihn empfingen hatten ebenfalls obenrum abgelegt und erwarteten ihn schon.


    "Willkommen am kalten Arsch der Welt Ochotnik Fulcrum , ich bin Serbar Vier Speere und das hier ist Jantonik der Eierdieb. Hier, iss etwas und trink davon, das wärmt Dich." Fulcrum nahm den Krug und das Wabern von heißem Schnaps stieg ihm in die Nase. Er grinste verlegen. "Das ist wirklich freundlich Bruder aber hättest Du wohl einfach etwas heißen Tee für mich? Mein Leben gehört dem Branca Ursus." Der Angesprochene zog die Augenbrauen nach oben. "Oh, eine Pranke! Sag das doch Brüderchen, warte ich hole Dir was anderes.." Während er sich umdrehte um das angesprochene zu holen führte Jantonik ihn zu einem Sitzplatz am Feuer. "Wir bekommen hier draußen nicht so oft Besuch von Pranken, gibt's was bestimmtes?" Fucrum schüttelte den kopf und hob die Hände. "Nein nein, alles gut. ich komme von einer langen Reise aus den Warmlanden zurück und muss zur Ritushöhle. Der Alte hat gerufen und Ihr wisst ja, den lässt man besser nicht warten..."


    Am warmen Feuer wurde er den anderen Brüdern und Schwestern vorgestellt die gerade hier ihre Pflicht erfüllten und bekam den erfragten heißen Tee aus Kräutern ,dem üblichen Getränk für die Jäger des Bewaffneten Arms des Hohepriesters. Gerüchte und Geschichten wurden erzählt, man war sehr neugierig nach Erzählungen aus den fernen Warmlanden und Fulcrum erfuhr nützliche Dinge über seinen weiteren Weg. Nach zwei Stunden am Feuer fand sich eine interessierte Jägerin namens Dschuna Nachtauge der er zwischen die Felle folgte. Nach ein paar Nächten in kalten Schneehöhlen war das durchaus angemessen fand er, nicht das eine Wahl bestanden hätte. Am nächsten Morgen strecke er sich in den Fellen, Dschuna hatte heute Wache an der Brücke und war früh weg. Er zog sich an und dachte dabei darüber nach was zu tun wäre. Eigentlich noch Proviant besorgen und dann wieder in die Frostöde, aber...dieses war aus guten Gründen ein sehr spiritueller Ort. Etwas in ihm sagte das es ander Zeit wäre dieser Spiritualität nachzugeben. Er war solange weg gewesen, es war an der Zeit sich zu erinnern.


    Er zog sich leise in die leeren und stillen Gänge zurück die nach oben führten. Es musste doch irgendwo in diesem Wirrwarr aus Platz einen Ort mit einem Fenster nach zur Ebene geben...nach einigem Gesuche fand er einen verlassenen Saal mit einer Art...wie nannten die Wamländer sowas..? Terrasse? Ein großer Überdachter Ort etwa hundert Schritt über dem Boden und die Ebene von Sud`ba lag vor ihm. Er breitete das Fell aus das er mitgebracht hatte und lies sich darauf nieder während er hinaus sah in die weiße Weite. Dies war der Ort, das Schlachtfeld des Schicksals seines Volkes.


    Frosttal war eine Welt der zwei Seiten. Es gab nur schwarz und weiß. Jäger und Beute. Sturmzeit und Stillzeit. Stadtwärts und Randwärts. Raubtiere und Futter. Freund und Feind. Leben und Tod. Und die Wahrheit war das die Menschen in dieser Welt einst Futter waren. Genau wie die Fische, die Kotiks, Die Ptitsa….Generationen von Fleisch das verzehrt worden war. Tausende von Wintern voller Leid und Dunkelheit, immer auf der Flucht vor allem, verfolgt und gejagt waren seine Vorfahren dünne gehetzte erbärmliche Kreaturen gewesen, verlassen und bestraft von Ihrem Gott fristeten sie ihr Leben in den Schatten, in Spalten und Löchern, dürftig ernährt von Mosen und Flechten die sie dort fanden. Generationen des hoffnungslosen Glaubens, des Verlustes und der Furcht. Dann traten ein paar Individuen aus dem Schatten der Zeit. Menschen die genug hatten. Besondere Menschen mit besonderen Gaben. Die Enkel des Bären. Sie fassten ein geradezu unfassbaren Plan. Eine Strategie von ungeheuerlichem Ausmaß basierend auf dem was die Menschen dieses Zeitalters am besten konnten. Opfer bringen. Viele traurige Opfer. Dies war die Zeit in der die ersten Rudel ausgehoben wurden, aber nicht für die Jagd. Sondern um Jäger von den Menschen weg zu locken indem sie ihr eigenes Fleisch opferten. Sie wurden die Hoffnungslosen genannt. Nur einer von zehn Männern kam zurück, mit gehetzten Augen und der Trauer um seine verlorenen Brüder im Herzen aber erfahren geworden darin nicht gesehen zu werden und den Elementen zu widerstehen. Diese Männer wurden die Ausbilder der Jungen für die nächsten Hoffnungslosen Rudel während die Weibchen Kinder gebahren tief versteckt in den Höhlen des Eisengebirges. Die Opfer der hoffnungslosen Rudel sorgten dafür das die Menschen an Zahl zunahmen langsam aber stetig. Unerhörte zwanzig Generation wurden Rudel in den Tod geschickt um die anderen zu schützen und die Raubtiere in Sicherheit zu wiegen. Und in den Höhlen wuchs der Hass.


    Einst wandelten Riesen über diese Welt. Turmhohe Geschöpfe aus Frost und Wut, unglaublich Stark und alt wie die Zeit. Trunken vor Macht und unangefochten in ihrer Stärke waren sie arrogant geworden und verachteten ihre Götter, sie stampften über die Eben und fraßen was ihnen in den Weg lief, die ersten unter den großen Fünf, niemand fürchteten sie und niemand war ihnen gewachsen. Die Geissel der Menschen waren sie denn Menschenfleisch galt Ihnen als Delikatesse. Und so kam es das die Götter entschieden eine Rechnung für die Missachtung zu stellen und Ursun erwählte die unwahrscheinlichsten von allen, seine Stiefkinder die Menschen, um sie zu präsentieren.


    Und nach Zwanzig Generationen voller Hass öffneten sich die Höhlen der Eisenberge und die ersten Wahrrudel betraten die Welt. Keine Hoffnungslosen mehr sondern Jäger ihres eigenen Weges. Gerüstet mit Klingen aus schärfstem Feuerstein und Speeren aus gehärtetem Knochen, gehüllt in frische Felle ihrer ersten Beute zogen sie über die Frostebene und lärmten und ließen Spuren aus Blut zurück auf das die Riesen sich versammeln mögen. Und die Riesen, angezogen vom Blutgeruch und der Aussicht auf soviel wehrlose Beute kamen. Die Legenden der Runenleser sagen das sich alle versammelten, die großen Fünf.


    An der Grenze ihres Reiches standen die spitzohrigen alabasterhäutigen Schwarzmähnen, kalte Geschöpfe die mit einer erhobenen Augenbraue betrachteten was das närrische Fleisch dort wohl vorhabe.

    Am Rand des Reifgebirges standen ihre Erzfeinde die Eistrolle und stierten stumpf in die Ebene um zu sehen was als das Lärmen wohl bedeuten Möge.

    An den Ausläufern der Reißzahnspitzen sah man die größten der weißen Drachen mit gespreizten Flügeln den Weg der Riesen betrachten, mehr neugierige Biester als wirkliches Denken.

    Von der Robbenzunge kamen die Winterwölfe, verschlagene Opportunisten in der Hoffnung auf Beute nach dem zu erwartenden Gemetzel an den Menschen.


    Und die ersten der Fünf, die Frostriesen kamen. Hatten sie Bedenken als sie sahen das sich alle versammelt hatten? Wurden sie misstrauisch? Wenn dann unterlag das Misstrauen ihrer uralten Arroganz und sie kamen alle offen herangeschritten mit donnerndem Schritt der das Eis erzittern lies. Dutzende von ihnen, hungrig und gierig.


    Und nach all der Zeit des hoffnungslosen Glaubens gab Ursun seinen Stiefkindern ein Zeichen seiner Gunst. Der erste Beweis an die Menschen das er zuhörte, das er dort war, das sie ihm nicht egal waren. Denn die Götterbären versammelten sich. Zwanzig der größten Bären die man je gesehen hatte, für jede Generation der Hoffnungslosen einer, mit dem Funkeln der Schöpfungsmacht Ursuns in den Augen versammelten sich unter den Menschen und beschnüffelten neugierig ihre Stiefbrüder.


    Und als die Riesen sich versammelt hatten begann die erste große Schlacht der Menschen. Fallen waren vorbereitet worden von Frostödläufern, schon Wochen vorher. Gletscherspalten waren mit scharfen Stacheln gespickt und bedeckt worden, Karten waren direkt auf die Haut der Läufer gestochen worden, und die Riesen waren hineinmarschiert in den Irrgarten blind vor Verlangen nach frischem Fleisch. Als die Rudel heranstürmten und mit Tscheykas und Feuersteinmessern auf Ihre Beine einhieben und sich an den Leibern der Riesen hasserfüllt nach oben zogen waren die Riesen schockiert von diesem Zorn, wieso benahm das Fleisch sich so? Das war noch nie dagewesen! Und sie wüteten fürchterlich unter den kleinen Menschen. Doch wie viele sie auch erschlugen und zertraten, immer neue kamen, krallten, kratzten, bissen und stachen. Hundert Jäger und mehr fielen für jeden Riesen der ungläubig zu Boden sank doch das Fleisch hatte genug für alle Zeit, an diesem Tage sollte es sich entscheiden, Freiheit für immer oder der Tod für alle.


    Und als der längste Tag der Menschen sich dem Ende neigte begann die Dämmerung für die Riesen. Tork der Große, der letzte König der Frostriesen, ein Monstrum von Vierzig Schritt Höhe drehte sich schließlich um und floh vor all diesem Gemetzel dicht behangen von hassbrüllenden Jägern die sich mit blutigen Jagdmessern tiefer in sein Fleisch gruben. Wütende Götterbären die an seinen Beinen rissen. Seine langen Schritte trugen Ihn bis zur Robbenzunge wo er schließlich zusammenbrach und sein Leben aushauchte und bis heute liegen dort seine Knochen als letztes Zeugnis seiner Rasse. Weitere Jagdrudel zogen zur Siedlung der Frostriesen und töteten die riesigen Kinder die dort hungrig darauf warteten das ihre Eltern mit Fleisch zurückkehren mögen. Nun, das Fleisch kam.


    Und die Schwarzmähnen wandten sich ab als der letzte Riese fiel, wanderten zurück nach Aeglos und in ihren alten Augen war Erstaunen.

    Und die Eistrolle wandten sich ab als das Schreien verstummte und wanderten zurück ins Reifgebirge und in ihren Augen war ein Funkeln von Zweifel.

    Und die großen Biester, die weißen Drachen, wandten sich ab als das Blut auf dem Eis gefror und in Ihren Augen war Furcht.

    Und die Winterwölfe, die klugen schnellen Jäger gingen hinab um die Menschen zu treffen und in ihren Augen war Neugier.


    Und gleich einem blutigen Geburtsschrei löschten die Menschen die Frostriesen aus und nahmen ihren Platz ein unter den großen Fünf und aus Fleisch wurden Jäger.


    Nach der Schlacht war das Volk der Menschen geschwächt, zwei Drittel waren gefallen in diesem unsagbaren Gemetzel. Es wäre vielleicht leichte Beute gewesen wenn ein anderer der großen Fünf diese Gelegenheit ergriffen hätte.



    Aber die anderen Großen hatten an diesem Tage auf dem Schlachtfeld etwas gesehen. Etwas das ihnen nicht gefiel und niemand kam....

    Bruder Fulcrum Alarich Gletscherherz
    Jagdrudelführer des Jagdrudels Hewlânosh




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    "Caprum non iam habeo"