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    • Der Mann lenkte das stolze, schneeweiße Ross auf die einsame, versteckte Lichtung tief in den Grenzwäldern.
      Dort wartete er.

      Länger. Immer wieder schaute er nach oben, zwischen den Bäumen hindurch und beobachtete den Stand der Sonne. Verdammt. Mittag war längst durch. Und er hasste nichts mehr, als dass man ihn warten ließ. Zäh verging die Zeit.
      Dann und wann klopfte er stolz dem neuen Pferd den Hals. Ein Prachttier. Ein schneller Renner. Im dichten, grünen Wald natürlich völlig unbrauchbar und viel zu auffällig. Aber dass alles störte den Mann nicht.
      Immer noch nichts…

      Plötzlich begann das Pferd nervös zu tänzeln. Es blähte die Nüstern und schnaufte. Der Reiter konnte nicht anders… und musste überheblich grinsen. Ob sich da ein Schlaumeier mit dem Wind im Rücken anschlich?
      Bedächtig zog er das Lange Schwert aus dem Sattelbaum. Nicht wirklich eine vornehme Kavalleriewaffe. Aber auch das war jetzt egal. Der ließ den Stahl am langen Arm nach unten hängen, doch die Spitze zeigte nicht nach unten, sondern er hielt sie horizontal nach hinten. Eine verdeckte Auslage.
      Mit der anderen zog er die Mütze vom Kopf, zog das Halstuch, dass er trug vor den Mund. Bis unter die Augen… und lauschte. Doch er musste sich nicht weiter anstrengen. Da brach jemand wenig elegant durch das trockene Unterholz.
      Kurz darauf tauchte ein Kerl auf. Schwarze Kutte, schwarzer Umhang. Schnaufend blieb er stehen und klemmte die Daumen hinter die Riemen des großen Rucksackes.

      "Schön, dass ihr doch noch kommen konntet.", ätzte der Reiter leise wie unhöflich und taxierte den schwitzenden Kerl.
      "Verzeiht mir, doch wir… ich… aufgrund der Situation haben wir leider aktuell eine gewisse Knappheit an… äh… Reittieren. Ich musste den weiten Weg zu Fuß kommen… ", schimpfte der Wanderer.
      "Allein in den Grenzwäldern? Keine Angst vor den Trollen?", wunderte sich der Reiter. "Nun denn, ich möchte es schnell hinter mich bringen. Was habt ihr an Nachricht und Angebot zu überbringen?", fragte er drängend.

      "Also… die Sache ist die… wir haben auch im Moment eine gewisse Knappheit an… Gold. Ihr kennt doch unsere Situation. Daher darf ich euch hier… ", er zog mit seinen schmierigen Händen eine Pergamentrolle aus seiner Gürteltasche, "eine Schuldverschreibung überreichen? Über 50 Goldstücke. Die bekommt ihr, wenn es bei uns… ähm… wieder besser läuft. Also quasi in Kürze… Demnächst. Und NATÜRLICH ist die schon fast WIE Gold wert…"
      Sein entschuldigendes, falsches Lächeln strafte ihn Lügen, dass es zum Himmel schrie. Er leckte sich wieder und wieder gierig über die Lippen. "Habt ihr, was wir von euch verlangen? Die Berichte? Hintergründe? Alle Informationen… zusammengetragen?"

      Der Mann richtete sich im Sattel auf, wobei ihm war, als bohrten sich eiskalte Finger in seine frischen Narben… Er überlegte. Einen Moment lang. Sie alle gegeneinander ausspielen… Wie leicht das war…

      Dann riss er sich zusammen. "Worauf ihr euch verlassen könnt. Hier sind die Schriftstücke.", meinte er dennoch völlig ruhig und klopfte auf seine Umhängetasche. "Her mit euren so wertvollen… Verschreibungen", forderte der Reiter mit einem Lächeln.
      Er lächelte auch noch als der Kerl endlich in Reichweite getreten war. Und weiter, als dieser plötzlich zu Gurgeln begann und Blut spuckte. Entsetzte Augen starrten ihn an…

      Den Aufwärtsschlag hatte er nicht kommen sehen. Die schmale Schwertklinge fraß sich in das Brustbein, streifte die Kehle und blieb zugegebener Maßen ungeplant im Unterkiefer stecken. Der Mann fluchte, als ihm gewahr wurde, dass die Flanke seines neuen Pferdes durch einen Schauer Blut gesprenkelt war. Er setzte dem Sterbenden den Fuß auf die Brust und mit einem Ruck zog er das Schwert frei, während der Kerl wie in Zeitlupe nach hinten kippte.
      Papier… Sie hatten ihm tatsächlich Papier angeboten. Er schlug das Blut von der Klinge und steckte die Waffe wieder in den Sattelbaum. Dann stieg er ab und wäre fast über seine neuen Sporen gefallen. An diese Scheißdinger würde er sich wohl auch gewöhnen müssen…

      Der Mann durchsuchte den Toten, nahm ihm alles an Dokumenten ab, dass er bei sich trug, doch den schmalen Geldbeutel ließ er ihm. Trolle nahmen ihren Opfern kein Geld ab. Dann zog er die Leiche tief in einen unangenehm dichten Tannenhain und versteckte ihn im Gestrüpp, wie er es gelernt hatte. Auf dem Weg zurück beseitigte er alle Spuren ihres Zusammentreffens. Auch ging er noch ein Stück den Weg des Wanderers zurück. Auch hier verwischte er alles an Hinweisen.

      Als das Pferd wieder sauber war, setzte er wieder auf und schaute sich um, als würde er die Lichtung das erste Mal sehen.
      Hatte er wirklich hier jemanden getroffen? Nein, nie.

      Dann dachte er an seine Berichte, die er tatsächlich in der Tasche trug. Er kannte genug Männer, die echtes, kaltes Gold bezahlen würden… in diesem verdammten Spiel.

      Würde er…?

      Er musste an schöne, große Augen denken… die genauso gefährlich leuchteten, wie eine Handvoll Edelsteine… Versonnen lächelnd lenkte er das Reitpferd von der Lichtung...
      Vogt Rafael von Bärheim -Held des Grenzwaldes-
      Maxim Grigoriwitsch yet Tabanov -Rytsar der Dsar von Vodgorod-