Posts by Asunder

    Die frisch gepflügten Felder, Knochenarbeit zu dieser Jahreszeit, in der der Boden noch immer gefroren war und Reif jeden Morgen die Wiesen bedeckte, lagen in schwarzem Kontrast zum Grau des Himmels.
    „Verdammt“, äußerte Lokir leise, wohl mehr zu sich selbst und gegen den Nieselregen blinzelnd, und doch antwortete seine Schwester.
    „Viel? Oder“, sie sah ihn nicht an, „Dreist?“
    „Beides.“
    Sie lachten, und er legte seinen Arm um ihre Schultern. Seit dem Besuch des Skorpions ihr erstes Lachen. Lokir hatte nicht gefragt, wohl wissend, dass er eh nicht die Antwort bekommen würde, die er haben wollte. Eine ehrliche. Direkte. Dass eine solche ausblieb, hatte er bisher nur selten erlebt, und es machte ihm Sorgen. Wahrscheinlich begann er gerade deshalb, nichts desto Trotz. „Dieser Typ … aus Valensdorf-“ „Der kam nicht aus Valensdorf.“ Lokir suchte nach den richtigen Worten, doch Asunder kam ihm zuvor: „Und hat nichts mit dem geschäftlichen zu tun. Was jetzt wichtig ist, ist das hier. Um alles andere kümmere ich mich.“


    Am liebsten hätte er sie angeschrien ...
    'So wie damals, als du Dinge in die Hand genommen hast, von denen du besser die Finger gelassen hättest? Wegen denen wir jetzt hier sind, an diesem götterverlassenen Ende der verdammten Welt und nicht …' Doch er biss sich auf die Unterlippe. Hätte sie nicht …, wäre er jetzt … jedenfalls nicht hier. Aber auch nirgendwo anders. Oder zumindest wohl an keinem angenehmeren Ort.


    Er wandte sich zu ihr um, doch sie war nicht mehr da, stand einige Schritt entfernt an einem Wagen und hatte zwei Schaufeln unter der Plane hervorgezogen. Eine warf sie ihm zu. Er fing sie auf und trat an ihre Seite, so viele Fragen im Blick, dass sie beinahe lächelte. Doch statt dessen schlug sie die Plane zurück und Lokir seufzte leise. „Blut und Verdammnis, ist das dein Ernst?“ „Reg dich ab und grab! Wir haben das an der Nordgrenze hunderte Male getan. Ich glaub nicht, dass dus verlernt hast.“ Sie wartete nicht auf ihn, sondern setzte mit einem Schritt über den schmalen Graben hinweg und suchte sich ihren Weg zwischen den Ackerfurchen, die Schaufel geschultert und die elegante Tunika bereits bis zu den Knien voller Schlamm. Und er wusste wieder, warum ihm so viel an ihr lag. Und warum er ihr folgte, auch, wenn er manchmal nicht wusste, wohin.

    [Wann: Winter, kurz nach der Jahreswende 12/13 nach Imperator Warahan]
    [Wo: Lehen Finsterwalde, Axtfels]

    and where is the lamb that gave you your name?


    Den schweren Löwenpelz lose um die Schultern gelegt stapfte Asunder durch den Schnee zum Tor, den Blick auf die kleine Gruppe fixiert, die zwischen den halb geöffneten Flügeln stand. Ein Reiter, zwei Begleiter. Allesamt in Schwarz gekleidet. Ihre Wachen, vier ihrer Soldaten. Lokir, der sie gerufen hatte.
    Sie fuhr sich mit der Hand über die Augen, um sich die Schneeflocken aus den Wimpern zu wischen, die seit dem Morgen lautlos herabschwebten wie die Federn eines geschossenen Vogels.
    Selbst auf die Entfernung gefiel ihr die Haltung der Fremden nicht. Kaum jemand ritt so selbstsicher durch den Finsterwald, zu dieser Jahreszeit, in dieser Gegend, wenn er sie nicht kannte.
    Über die Distanz hinweg hörte sie vereinzelte Wortfetzen. „... Papiere ...verlange … sofort!“ Und auch, wenn der Wind vieles davontrug, missbilligte sie den Tonfall ganz und gar.


    Sie wandte sich kurz zu einem der Feuerkörbe um, fingerte nach einem glimmenden Stück Holz, um ihr Rauchkraut neu zu entzünden, und überbrückte schließlich zielstrebig die letzten Meter zwischen sich und den - ungebetenen - Gästen.
    „Gibts ein Problem?“ nuschelte sie, die schlanke, goldene Pfeife zwischen den Zähnen, und musterte die Neuankömmlinge von Kopf bis Fuß und ihre goldenen Augen wurden schmal.



    Dies war also die Höhle des Löwen. Camdon blickte von seinem Pferd herab auf die Gestalten, die ihm den Weg versperrten. Blasse Gesichter, misstrauische Augen. Viel Rüstung und noch mehr Waffen für ein Hinterwäldlerdorf mitten im Wald in den abgelegenen Bergen, in denen die wahren gefährlichen wilden Tiere hinter axtfelser Palisaden Schutz suchten...
    „Ich sage es noch einmal: diese Papiere sind legitim und ich verlange, dass Ihr mich passieren lasst. Sofort!“
    Der junge Mann, der sein Pferd am Zügel hielt, neigte herausfordernd den Kopf auf die Seite und bleckte die Zähne … wie ein Tier.
    „Darüber entscheidet die Ordensmeisterin.“
    Camdons Ungeduld hatte nun endgültig den Weg auf seine Züge gefunden. „Und wo bleibt sie?“ fauchte er, als eine raue Stimme ihn von der anderen Seite ansprach.
    „Gibts ein Problem?“
    Er wandte sich im Sattel um. Das war ... sie … also. „Fräulein Eisenwinter?“ fragte er und genoss das kurze Aufblitzen in ihren Augen.
    „Frau“, betonte sie, „Oder Paladin. Wie es Euch beliebt.“
    Er nickte. „Ich denke, das gehört Euch.“ Er warf ihr einen toten Vogel vor die Füße. Keine Taube. Einen Raben. Mit einer versiegelten Nachricht am Bein.
    „Ein Warnung, schätze ich. … Wollt Ihr es nicht lesen?“
    Sie musterte ihn, ihre Mimik verriet nichts von dem, was sie vielleicht denken mochte, und doch blieben ihre hellen Augen auf ihm ruhen. Auch, als sie sich bückte und das Tier aus dem Schnee hob.
    „Nicht nötig“, erwiderte sie schließlich und drückte das Bündel aus schwarzen Federn einer der Wachen in die Hand. „Steigt ab und folgt mir.“



    Er brauchte länger, als sie erwartet hatte. Der schwere Pelz hing bereits neben dem Kamin, als er das Zimmer betrat. Außer der Paladin war niemand zu sehen und so befahl er seinen Begleitern an der Tür Posten zu beziehen, während er, auf seinen Stock gestützt, den langen Raum durchmaß, an dessen Ende vor dem Schein des Feuers die Paladin stand. Ohne die Rüstung, die sie sonst immer zu tragen pflegte – nicht einmal ihr Kettenhemd trug sie über der makellosen, langen, dunkelblauen Tunika. Er hatte sie wohl wirklich schutzlos erwischt. Gut.
    Sie beobachtete jeden seiner Schritte und er war sich sicher, dass sie versuchte zu verstehen, was sie nicht verstehen konnte. Er lächelte.
    Sie wies auf die zwei Stühle, die sich am Ende der Tafel gegenüber standen und schnippte Asche in die Flammen, ohne jedoch selbst Anstalten zu machen, Platz zu nehmen.
    Camdon lehnte seinen Stock an den Tisch und schob sich, umständlich, den Stuhl zurecht, bevor er sich setzte.
    „Ihr habt das noch nicht lang“, stellte die Paladin nüchtern fest, während sie Rauch ausatmete, und nickte in seine Richtung, „Sommerfeldzug? Khelriothar?“
    „Ich … nein. Ein Reitunfall“, entgegnete er mit zusammengezogenen Brauen und zog die Papiere aus der Tasche, die er bereits in Bärheim in den Händen gehabt hatte – und andere, „Nichts, was hier etwas zur Sache tut. Immerhin bin ich … wegen Euch hier. Doch verzeiht meine Unzulänglichkeit. Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Jonathan Camdon. Offizier und Kommisar des Imperialen Geheimdienstes. Skorpion.“


    Sie antwortete nicht, griff statt dessen nach einer Karaffe auf dem Kaminsims und zwei Bechern, die sie vor sich auf den Tisch stellte und vollschenkte. Ohne zu zögern griff sie nach einem und leerte ihn, ohne Trinkspruch oder Schwur auf irgendeinen Gott oder ohne auch nur darauf zu warten, ob ihr Gegenüber ebenfalls seinen Becher nahm.
    „Und was kann mein Orden für das Imperium tun?“ fragte sie schließlich zwischen zwei weiteren rauchschweren Zügen.
    „Euer Orden?“ Camdon lachte, „Fräulein Asunder, es geht mir nicht um Euren … Orden. Nicht direkt zumindest.“ Er legte die Papiere vor ihr auf das zerschrammte Holz.
    Sie fuhr mit den Fingern darüber, studierte sie. Noch immer keine Regung, nur ein Zucken ihrer Mundwinkel, das ein Lächeln hätte sein können. Mit auf den Tisch gestützten Händen setzte sie sich schließlich auf den Stuhl ihm gegenüber. „Nun, ich wiederhole mich ungern. Was kann mein Orden für das Imperium tun?“
    Camdon schmunzelte. „Ich denke, Ihr habt die Situation verstanden?“
    „Verzeiht mir, wenn ich zögere. Ich sehe keine Armee vor meiner Tür und keine imperialen Gardisten, außer denen, die sich, wie üblich, im Gasthaus an der Straße volllaufen lassen, auf meinem Land. Ich höre meine Soldaten nicht kämpfen und auch ich sitze hier und frage Euch zum dritten Mal: was kann mein Orden für das Imperium tun?!“


    Sie beugte sich gerade vor, um erneut zu der Karaffe und ihrem Becher zu greifen, als das Klicken einer gespannten Armbrust ziemlich nah an ihrem Kopf sie - beinahe - zusammenzucken ließ. Einer von Camdons Begleitern, fast so lautlos wie einer ihrer eigenen Schatten, stand an ihrer Seite, die Spitze des Metallbolzens kühl an ihrer Schläfe.
    „Wir wissen, wer Ihr seid, Asunder Eisenwinter. Und wir wissen Eure Dienste für das Imperium zu schätzen, sonst wärt Ihr nicht hier. Und sonst wäre ich nicht hier. Finsterwalde zu säubern ist nicht jedem gelungen und könnte ich auch nur ansatzweise Respekt für Abschaum Euresgleichen aufbringen … Ihr hättet ihn.“ Er seufzte und warf ein weiteres Dokument auf den Tisch. „Lest es!“ Es war ein klarer Befehl.
    Asunder rollte die Augen in Richtung des Armbrustschützen, „Rutsch jetzt bloß nicht ab“, beugte sich vor und griff nach dem Pergament.


    Kurze Momente vollkommener Stille. Dann hob sie den Blick und fixierte ihn. „Und wenn ich ablehne?“ „Denkt an Eure Familie. Denkt an die Steckbriefe. Lügen aus Waldwacht, sicherlich, so lange wir alle wollen, dass es Lügen bleiben. Denkt an Eure Freunde. Bärheim zum Beispiel.“
    Asunder lehnte sich zurück, der Armbrustschütze folgte jeder ihrer Bewegungen.
    „Und der Graf?“
    Cambel schnaubte. „Wir dienen dem Hohen Rat von Ankoragahn, nicht dem Grafen. Ihr werdet sicher eine Lösung finden. Dessen bin ich mir sicher.“
    Der Skorpion erhob sich so umständlich, wie er sich gesetzt hatte und schob die Papiere zusammen, dann griff er zu seinem Stock. Der silberne Wolfskopf schien im Flackern des Kaminfeuers hämisch zu grinsen.
    „Mitten im kalten Winter ...“, murmelte die Paladin, und Camdon, der sich bereits zum Gehen gewandt hatte, warf einen Blick über die Schulter. „Bitte?“ Doch sie winkte nur ab, hob nicht ein mal den Blick, die Hände ineinander verschränkt und das Kinn darauf gestützt. „Sichere Reise“, wünschte sie und er hob die Hand an sein Barett, und als er den Raum verlassen hatte, schlossen sich auch seine beiden Schatten an.



    Asunder blieb allein im Halbdunkel zurück. Ein, zwei, vielleicht drei Atemzüge, dann erhob sie sich von ihrem Platz. Ging einige Schritte. Kehrte zum Tisch zurück. Fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Trat vor den Tisch, dass die Becher darauf klirrten. „VERDAMMTE SCHEISSE!“ Ja, das war es wohl... zweifelsohne. Sie biss sich auf die Unterlippe und suchte Halt an der Lehne ihres Stuhles. Es dauerte länger als sonst, viel länger, bis sie ansatzweise das wiederfand, was sie in diesem Moment Fassung nennen mochte. Dann straffte sie sich griff nach ihrem Mantel und verließ den Raum. Kein Wort. Zu niemandem. Sie würde das regeln. Allein.

    Forgive me, my dearest, I cannot stay
    He cut out my tongue, there is nothing to say.


    Love me, oh Lord, he threw me away.
    He laughed at my sins,in his arms I must stay.


    You wrote, I am broke, please send for me.
    But I am broken too, and spoken for, do not tempt me.

    Lethan nahm einen Schluck des angebotenen Alkohols, hob, ob des Geschmacks oder der Stärke war schwer zu sagen, die Brauen, und reichte es dem Waibel zurück. Aus dem Augenwinkel meinte er, im Halbdunkel des Flurs sie Aufschrift "Waffenreiniger" auf der Flasche erkannt zu haben ... was das ein oder andere erklären würde.


    Er schluckte noch einmal, dann wandte er sich an die beiden anderen.


    "Von hier aus liegt Finsterwald auf dem Weg nach Waldwacht, von dahr können wir dort wohl besser kurz Halt machen. Ich denke nicht, dass die Unterredung mit der Ordnsmeisterin mehr als eine Stunde Eurer Zeit in Anspruch nehmen wird. Alles andere würde ich gern dort besprechen, wo wir nicht wie drei Verschwörer gegen das Imperium in einer dunklen Ecke stehen, wenn es den Herren genehm ist."

    Asunder nickte langsam. Besser. Viel besser. Sie nahm den Becher, wünschte einen Moment, es wäre kein Wasser, sondern dieses vodgodische Zeug, dass Maxim in die Spiegelwelt mitgebracht hatte. Aber eines nach dem anderen.


    „Ihr habt Recht. Axtfels braucht jemanden, der es führt, so lange Balduin nicht hier ist. Eure Absichten sind die richtigen, zweifelsohne, und ich werde Euch all die Unterstützung geben, die ich leisten kann. Insofern die Antworten, die ihr von mir aus Finsterwald erhalten habt, für Euch so ... aufschlussreich waren, wie Ihr diese gewünscht habt.“


    Sie nahm einen Schluck und blickte ihn über den Rand ihres Bechers an – ein wenig herausfordernd vielleicht, aber eher … schelmisch. In jedem Falle strafte es den harten Vorwurf in ihren Worten Lüge.


    „Wegen mir fackelt diesen verfluchten Wald ab, wie es Euch beliebt. Nur lasst meinem Lehen, und Bärheim, genug Ressourcen, um damit arbeiten zu können. Nordgard mag gut aufgestellt sein – ich hingegen bin froh über jedes Dach, das ich meinen Soldaten über dem Kopf bieten kann.“


    Asunder fuhr sich mit der Hand über die Augen. Die Erschöpfung der letzten Tage war ihr deutlich anzusehen.


    „Letztendlich bin ich hier, weil ich Eure Anstrengungen schätze, Graf Kaldor, doch auch, weil ich in Sorge um Euch bin. Unser … Feind wird sicherlich keine Mühen scheuen, den Punkt anzugreifen, der Axtfels Stabilität bringen kann. Und das seid nun einmal jetzt gerade Ihr. Tut mir einen Gefallen und unterschätzt ihn nicht. Insofern Ihr es durch Euren Glauben nicht selbst vermögt, habt jemanden an Eurer Seite, der zu sehen vermag, ob es sich niemand hinter dem Gesicht eines anderen verbirgt. Und vertraut niemandem. Im Zweifel nicht einmal mir.“


    Die Ordensmeisterin schlug die Beine übereinander und verschränkte die Arme vor der Brust.


    „Was genau ist also Euer weiterer Plan? Denn wenn Ihr gestattet, würde ich gern ein wenig dessen nachholen, was mir in den letzten Tagen abhanden gekommen ist. Nämlich Schlaf. Und verzeiht, wenn ich befürchte, dass ich den in einer Festung voller Unbekannter kaum finden werde...“

    „Verzeiht meine Anmaßung, Graf Kaldor, aber genau das wird Axtfels dem Feind ans Messer liefern. Zumal das Problem nicht zwischen Finsterwalde und Bärheim liegt, sondern ein Stück darüber. Wir müssen genau das leisten, was wir nicht können. An so vielen Orten wie möglich stark und gewappnet sein. Zusammen. Ein falscher Zug, eine Lücke in der Verteidigung, und Axtfels wird einen blutigen Preis dafür bezahlen.


    Der Weg nach Valensdorf ist sicher der richtige, und dennoch sollte er nicht als Feuersturm erfolgen. Nicht jetzt. Wie wird man Euch dies vor der Regentin auslegen? Entweder macht sie Euch durch solche Taten zum Vollstrecker von Ignis Willen und beraubt Euch vor allen Euren Verbündeten in der Sache der Charta Eurer Glaubwürdigkeit. Oder sie nennt Euch einen Fanatiker und ihr liefert Euch und alles, was ihr für die Freiheit unser aller Glauben geleistet hab, an ihre Klinge.“


    Sie seufzte.


    „Ihr solltet auch nicht das Holz vergessen, das Ihr benötigt. Verbrannt wird es nicht von Nutzen sein. Im Gegenteil. Wir brauchen um so mehr für Befestigungen und Waffen. Selbst meine Leute schaffen keine Repetierballisten aus Asche und Rauch... so ziemlich das einzige Mittel gegen diese Trolle, habe ich mir sagen lassen.


    Darüber hinaus begleite ich Euch gern nach Valensdorf, bitte jedoch um Nachsicht. So lange die Fehde von Maghnus von Cadyerns Seite noch immer nicht beendet ist, kann ich mein Lehen nicht länger als nötig ungeschützt lassen. Zu groß ist die Gefahr, dass er sich diese Lage zu Nutze macht.


    So sehr es mir belieben würde, diesen verdammten Wald in seiner Gänze brennen zu sehen … so sehr kann ich nur raten, dass Euer Augenmerk auf dem Wesentlichen ruhen möge. Alles, was wir an Kräften im Norden bündeln, wird uns bei der Axt fehlen. Unser Vorgehen braucht mehr als Feuer allein. Es braucht Verbündete. Wir müssen wissen, wem wir vertrauen können. Ihr müsst das wissen. Sonst endet Euer Marsch nach Valensdorf noch mit einem Messer in Eurem Rücken.“

    Lethan hob die Augenbraue und musterte den Neuankömmling abschätzend und vorsichtig. Im Gegensatz zu Reiner war dieser Mann nicht einfach nur gefährlich, sondern eine direkte Bedrohung, Sturmfalke hin oder her. „Ich bin kein … Spitzohr“, begann er schließlich und strich sich eine Haarsträhne zurück, so dass sein linkes Ohr zum Vorschein kam, bevor er den Brief von Reiner zurück nahm. „Meine Herrin“, er betonte das Wort, als wäre es ihm in diesem Zusammenhang fremd, „Wünscht, dass Ihr mich nach Finsterwald begleitet. Sie hat Nachricht von Herrn Fulcrum erhalten und es gibt augenscheinlich Dinge, die den Grenzstützpunkt im Norden betreffen, zu denen sie Euren Rat braucht. Daher wäre es besser, wenn Ihr Eure Geschäfte hier mit diesem Herrn klären würdet, damit wir uns auf den Weg machen können.“

    „Waibel Reiner Büttler?“ Die Stimme kam aus den Schatten des Flurs aus denen sich eine schlanke Gestalt löste – gut einen halben Kopf größer als der Gardist. Der Fremde trug Reisekleidung aus weichem Leder und hatte die langen, schwarzen Haare in viele, kleine Zöpfe geflochten. Auf dem Rücken trug er eine Armbrust, ein Köcher mit Bolzen hing an seiner Seite. „Mein Name ist Lethan. Ordensmeisterin Eisenwinter schickt mich. Ich hatte gehofft, Euch noch vor dem Morgen aufzuspüren – und scheinbar war das Glück mit mir.“ Er hob seine linke Hand in einer knappen, nicht einzuordnenden Geste, wie ein Mensch, der ein Zeichen macht, um böse Dinge abzuwehren, dann lächelte er. „Und scheinbar auch mit Euch.“


    Er zog einen gefalteten und gesiegelten Brief hervor und reichte ihn dem Waibel.
    „Lest ihn, und teilt mir Eure Entscheidung mit.“
    Wartend verschränkte er die Arme vor der Brust und musterte den anderen gespannt.

    „Hätte ich eine Wahl...“, seufzte der Paladin, als der Soldat das Zimmer verlassen hatte, streckte sich kurz und verzog das Gesicht. Die letzten Tage forderten ihren Tribut und die Erschöpfung stand Asunder ins Gesicht geschrieben. So nahm sie dankbar auf einem der einfachen Stühle Platz, die Ellbogen auf den Knien und den Oberkörper nach vorn gebeugt. Sie fuhr sich mit der Hand durchs Haar, und begann dort, wo auch für sie alles angefangen hatte...


    Als sie geendet hatte, lehnte sie sich mit der Hüfte gegen den Tisch und blickte zum Fenster. „Fulcrum warnte mich, dass ich von nun an mit offenen Augen schlafen und niemandem trauen solle, bei dem ich nicht sicher bin, dass es nicht auch derjenige ist, der er zu sein vorgibt. Verzeiht mir daher das hier.“ Sie hob die Hand mit dem Ring.
    „Doch nach dem Treffen auf der Insel der Stürme machte ich Bekanntschaft mit nicht nur einem Hinterhalt. Das kleine Andenken in meinem Gesicht ist nur ein Teil davon. In der Taverne scherzte ich über die Gepflogenheit meines Volkes, Feinden eine Natter im Mantelärmel zu verstecken... ratet, wo ich eine fand. Und das hier...“ Sie löste die oberste Schnalle der Lederrüstung und zog den Kragen zur Seite. Ein blutiger Verband kam zum Vorschein, „War einer von drei Armbrustbolzen, kurz bevor ich mich auf den Weg zu Euch machen konnte. Das war letzten Endes auch der Grund, warum ich mich gegen den schnelleren, aber offensichtlicheren Weg entschied und, als Rückversicherung, eine Botschaft an Euch schicken ließ – von der ich sicher bin, dass sie Euch nicht erreichen wird. Falls doch, nun, findet ihr dort all das, was ich Euch hier erzählt habe. Sollte sie einen anderen Inhalt haben, seht es als Bestätigung all dessen, was ich Euch berichtete.“

    Regen. Seit dem Tag, als sie mit dem Holz für Nordgard aus Finsterwalde aufgebrochen waren, waren sie nass bis auf die Knochen. Die schlammigen Straßen, eine Tortur für Mensch und Tier. Doch abgesehen von den Flüchen über feststeckende Wagenräder oder Wegelagerer, die dumm genug waren, einen Überfall bei Nacht zu versuchen, klagte niemand.
    So auch der Krieger, der sich Silar nannte, und der an der Flanke des vorderen Wagens, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, den anderen folgte – was allerdings nicht seiner Disziplin allein, sondern viel mehr seinen eigenen Gedanken geschuldet schien. Öfter als die anderen hob er den Kopf und ließ den Blick über die Ebene der Winde streifen, als gäbe es dort Antworten auf die vielen Fragen, die ihn seit Tagen begleiteten – doch das Land schwieg. Wie sollte es auch anders sein, ohne einen Gott, der es führte?


    Es war der vierte oder fünfte Tag, als sie die Kreuzung nach Codex Lux erreichten, als einige Männer in schwarzen Kutten mit dem Abzeichen der Bruderschaft des Lichts darauf dem Konvoi den Weg versperrten. Junge Burschen, allesamt, keiner von ihnen mochte über fünfundzwanzig Sommer zählen. Und doch, oder gerade wegen dieser kindlichen Dummheit, blockierten sie dem Konvoi eines imperialen Reichritters, einer Lehnsnehmerin von Axtfels, der im Auftrag des Grafen höchstpersönlich unterwegs war, den Weg auf einer öffentlichen Straße. Silar grinste unter seiner Kapuze und schüttelte den Kopf, während einer der Holzfäller seine Mütze abnahm und den Lichtbrüdern ihr Anliegen erklärte. Dass weder ihr Offizier noch ein anderer der Soldaten vorsprach, war Asunders Wunsch gewesen – und so standen sie schweigsam, die Schilde erhoben und den Griff um die schlanken Speere, oder die Repetierarmbrüste, fest, und beobachteten mit abgeklärtem Kalkül.


    „Das Licht zum Gruße! Wohin wollt ihr?“
    „Nordgard. Wir liefern das Holz für den ehrenwerten Grafen und Ordensmeister der Sturmfalken, Kaldor Kayanee. Gibt es Schwierigkeiten auf dieser Straße, oder warum versperrt ihr uns den Weg?“
    Die Lichtbrüder wechselten bedeutsame Blicke.
    „Auf Geheiß von Maghnus von Cadyern, hochwohlgeborener Ordensmeisters der Bruderschaft des Lichts, Reichsritter des ankoragahnischen Imperiums und Ehrenleibgarde in memoriam Rawiel zu Rothenburg ...“
    Nicht nur Silar seufzte.
    „...werden wir Euch in den nächsten Tagen Geleitschutz geben, bis ihr Nordgard fast erreicht habt!
    Die kleineren Zwistigkeiten müssen da für den höheren Zweck zurückgestellt werden*!“


    Der Holzfäller, Heinke hatte ihn seine Mutter genannt, wandte den Blick, fast ein wenig hilflos, über die Schulter zu den Soldaten – fünfzehn an der Zahl, allesamt schwer gepanzert und bewaffnet. Erfahrene Krieger, die ihre Feuerprobe gegen das Chaos schon vor Jahren bestanden hatten – und dann zurück zu den Lichtbrüdern.


    „Nun, werte Herren, ich denke nicht, dass es nötig-“ Eine schwere, gepanzerte Hand auf der Schulter unterbrach ihn. Der Offizier der finsterwälder Soldaten war, erstaunlich lautlos für die viele Rüstung, die er trug, an seine Seite getreten und flüsterte ihm einige Worte zu, die dunklen Augen unter dem Helm prüfend, und nicht ohne ein herausforderderndes Lächeln darin, auf die jungen Männer aus Waldwacht gerichtet. Dann trat er an seinen Platz zurück, in die gleiche, unnahbare Haltung wie zuvor.


    Nervös befingerte Heinke den Filz in seiner Hand.
    „Ich, äh, … ja. Ich denke auch, Ihr solltet uns … begleiten. Wir brauchen sicherlich Eure tatkräftige Unterstützung. Die Herren hier, meine ich.“ Er wedelte mit der Mütze in Richtung des Konvois hinter sich.
    Auch, wenn die Kapuze Silars Augen verbarg, war sein wenig freundliches Lächeln jedoch nicht zu übersehen.
    Ohne ein weiteres Wort abzuwarten hob der Offizier seinen Speer, schlug zwei Mal auf sein Schild, und der Tross setzte sich so abrupt wieder in Bewegung, dass selbst Heinke zur Seite springen musste. „Werte Herren, ihr … könnt dann folgen. Oder Euch anschließen … Ihr solltet Euch jedenfalls … beeilen, meine ich... respektvoll.“ Dann eilte er zurück an seinen Platz.


    Es waren zwei weitere, lange Tage bis Nordgard und um so längere, kalte Herbstnächte. Nur die Holzfäller sprachen mit den Lichtbrüdern, die Soldaten hielten sich auf Abstand und blieben unter sich. Allein Silar trat abends am Feuer zu ihnen, ein Bündel mit Brot, Käse und Trockenfleisch und einen Weinschlauch in der Hand.
    „Danke. Willst du dich nicht setzen?“ Er schüttelte den Kopf, hielt jedoch inne und zuckte mit den Schultern, bevor er sich, sein Gesicht im Schatten der Kapuze, zu ihnen gesellte. „Zieht ihr von der Flamme eigentlich eure Rüstungen nie aus?“
    Wieder schüttelte Silar den Kopf. „Nicht, wenn wir durch gefährliche Zeiten reisen.“ Seine Stimme war rau, fast heiser. „Reist ihr immer leichtfertig?“
    Einer der Brüder schnaubte verächtlich. „Meine Brüder erzählten schon von eurer Arroganz...“
    „... eine Arroganz, die euch heute Abend speist, obwohl sie es nicht müsste.“ Silar bleckte die Zähne und drehte, wie in alter Gewohnheit, den Ring, den er über dem Handschuh an seiner Linken trug. Ein Stück geschwungenen Messings in Form einer Phönixfeder, in diesen Landen wohl viel zu wertvoll für einen einfachen Soldaten.
    „... ihr solltet Essen, dann solltet ihr schlafen – oder wachen – ganz, wie es euch beliebt. Und morgen früh solltet ihr laufen. Wir brechen vor Anbruch der Dämmerung auf.“ Geschmeidig erhob er sich von seinem Platz, verbeugte sich noch einmal spöttisch, um dann in der Dunkelheit zu verschwinden – ein leises Lied summend. Zumindest bedeuteten diese Kreaturen keine Gefahr. Trotzdem würde er heute Nacht, einmal mehr, nicht schlafen.


    Der Rest der Reise verlief ohne Zwischenfälle. Kurz vor den Toren Nordgards verabschiedeten sich die Brüder und zogen ihres Wegs zurück nach Waldwacht, und Silar hoffte, dass sie es bis dorthin zurück schaffen würden. Alles andere würde die Lage noch komplizierter machen, als sie eh schon war. Während die Wachen der Stadt die Wagen kontrollierten und mit Heinke über Einfuhrpapiere und ähnliche Dinge sprachen, tauschte Silar seine schwere Rüstung gegen leichtes Leder und löste sich unauffällig aus dem Trupp der wartenden Soldaten, die ihr Lager unmittelbar auf dem Anger vor dem Tor aufgeschlagen hatten, was bei der Stadtwache für wenig Begeisterung sorgte. Gut so, denn so waren die Augen der wachsamen Falken dort, und nicht bei den Abenteurern und Händlern, unter die Silar sich jetzt mischte, um durch das Tor in die Stadt zu gelangen.


    Auch, wenn er Städte diese Größe aus seiner Heimat kannte, verschlug Nordgard ihm für einen Moment den Atem. Doch wusste er, dass er keine Zeit zu verlieren hatte. Nach einigen Fragen nach dem richtigen Weg überquerte er die Brücke über den Seitenarm des Storn, der wild und grau unter ihm vorbeieilte, dann folgte er den Hauptstraßen bis hinauf zur Festung über dem großen Fluss.
    Ohne zu zögern trat er auf eine der Wachen zu – einen groß gewachsenen Krieger in den blaugelben Farben der Sturmfalken – warf einen Blick auf den Phönixring, und lächelte ...


    ~ ~ ~


    Helmbrecht stapfte den Gang hinunter. Sein Kettenhemd klapperte gegen seine Beintaschen und jeder Schritt auf dem Steinboden donnerte wie ein nahendes Gewitter. Der Ordenskrieger der Reinigenden Flamme im Schlepptau bemühte sich eilig, ihm zu folgen. Die Festung war riesig und es dauerte seine Zeit, bis sie endlich vor der Tür standen, die schon seit Tagen das Ziel von Silars Reise gewesen war.
    Helmbrecht warf noch einen letzten Blick auf den Krieger, der ihm gerade mal bis zur Schulter reichte. „Ich hoffe für Euch, dass es wirklich so dringend ist, wie Ihr behauptet. Der Graf hat wichtige Dinge zu tun.“ Silar nickte nur und der Soldat der Sturmfalken verschwand durch das hohe, mit Schnitzereien verzierte Portal. Kurz darauf öffnete sich einer der Türflügel und man gewährte Silar Einlass. Das Amstzimmer des Grafen war exklusiv, aber nicht von jener Dekadenz, die manchen Herrschern allzu gern zu Teil wird. Kaldor war, und blieb, ein Mann des Glaubens, und dies spiegelte sich in seinen Räumen ebenso wider, wie in seiner ganzen, ungeschnörkelten Art.


    „Herr Kaldor, der Bote aus Finsterwalde“, begann Helmbrecht ohne Umschweife, doch Silar schob sich bereits an ihm vorbei und streifte die Kapuze nach hinten. Lange, schwarze Haare, Narben im Gesicht. Eine davon, ein schmaler Schnitt quer über den Nasenrücken von der linken zur rechten Wange, glänzte noch frisch und war wohl erst wenige Tage alt. Ein unverschämtes Grinsen und doch, dahinter, eine Besorgnis, die man in diesen Augen nicht gewohnt war. „Es ist schon eine Weile her, Kaldor“, begann Asunder und hob, beinahe entschuldigend die Schultern.


    Helmbrecht starrte mit offenem Mund auf das jetzt Offensichtliche, hin und her gerissen, ob er die Ordensmeisterin einfach hinauswerfen oder angemessen begrüßen sollte, doch die Frau wandte sie zu ihm um und warf ihm einen unmissverständlichen Blick zu. „Niemand weiß, dass ich hier bin und das soll so bleiben. Erfährt es jemand, weiß ich, von wem er es weiß. Das wäre keine gute Idee.“ Dann wandte sie sich wieder an den Grafen und besann sich ihrerseits auf ihre Manieren und ihre Stellung. Sie trat einen Schritt vor, wartete. Kein schmerzhaftes Ziehen in der Hand, an der sie den Ring trug. Dann senkte sie respektvoll den Kopf. „Euer Gnaden, Graf Kaldor Kayanee von Nordgard, ich bitte um eine Unterredung unter vier Augen und bitte zugleich um Vergebung für diese Scharade. Doch mir blieb weder Zeit noch Wahl. Es geht um Leben … im schlimmsten Falle sogar um Eures.“

    Es wäre super, wenn wir hier, auch zwecks Aufbauplanung, mal zusammenschreiben und ergänzen können, auf wie viel Zelte, Dächer, Küchen und Sitzgelegenheiten wir kommen - und ob da noch was geliehen werden soll. Dann lässt sich auch für die, die am Monatg oder eher schon da sind, sicherlich besser planen. Eng wirds sicherlich werden, aber ein bisschen Koordination machts eventuell einfacher. :)


    Und: wie stehts mit ner Lagerfeuerstelle, bzw mit dem Holz dafür? Gibts da auch was, wo sich das ordern und an den Platz bringen lässt? Haben wir ne Feuerstellenmöglichkeit oder brauchts noch nen Feuerkorb/ne Feuerschale?


    @Tina: beim Frühstück setzen wir uns gern dazu, wenns passt, bringen aber selbst die Verpflegung mit. :)


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    Yvonne und Anna
    1 Saharazelt - 1 kleine Bierzeltgarnitur - ein Hochlehner

    Liegt's vielleicht daran, dass Thorsten das Captcha nicht richtig angezeigt bekommt? Liest sich jetzt grad irgendwie so.
    @Dierk: früher bei rapid und bb konnte man als Admin die PWs manuell korrigieren und dem User dann zuschicken. Wär ggf ne Alternative zum Rumprobieren, falls das hier auch geht. :)

    Bei der Küche sind Yvonne und ich raus - ich ess da eh schon immer zu wenig und wenn, dann brauch ich was, wenn ichs brauch. Also spontaner Gang in die Stadt.


    Ne eigene Ecke fänd ich allerdings auch passend. Es gibt sicher auch Sachen, die nicht an ner allgemeinen Tafel ablaufen laufen können/sollen. Zumal: wie stehts denn da abends für das "normale" Volk? Da wärs blöd, wenn da groß politisch lamentiert und rumgerittert wird, und es für den Rest eben keinen Platz zum aufhalten gibt. Sicher wäre ein entsprechender Platz für Axtfels da sicherlich angebracht (ist da bereits was in Planung, Torben?), aber einen eigenen Gruppenbereich mit kleiner Feuerstelle hab ich immer als äußerst angenehm empfunden. :)